Und sie weinet, und sie flehet,
Daß er fliehe ovn dem Orte;
Aber er war tief verblendet,
Sprach zu ihr die harten Worte:
"Für mich bist du nicht zu sehen,
Aber für den Blondgelockten;
Das, was du trägst unterm Herzen
Soll mir ewig sein verborgen!
Ihm willst du nicht Treue brechen,
Aber mir ist sie gebrochen;
Aber jetzt sollst du ihn nennen,
Und dann will ich dich durchbohren!
In des frechen Blutes Quelle
Soll erröten dieser Bronnen,
Sich und dich der Lüge schelten,
Denn hier hast du mich belogen!"
Stammelnd ihm entgegnet:
"Herr und Gatte, hör mein Flehen!
Ehe du mich willst ermorden,
Laß mich an die Kleider legen,
Daß mich nicht errötend sehe
So entblößt der junge Morgen;
Herr, nur aus der Laube trete,
Ich will rufen dich zum Morde!
Denn ich kann dir nimmer nennen,
Was mir unterm Herzen wohnet,
Da ichs nimmer hab gesehen,
Da es immer bleibt verborgen.
Herr und Gatte, hör mein Flehen!
Laß mich beten vor dem Tode,
Laß mich nicht so elend sterben
Ohne Sakramentes Troste!"
"Das will ich dir zugestehen!"
Sprach voll Unwill Jacopone,
"Doch die Kleider dir verstecke
Ich, daß du nicht kommst vom Orte.
Ich will bald zurücke kehren
Mit dem alten Mönch Benone;
Der den bösen Bund gesehen,
Seh zerhauen auch den Knoten!"