"Den Bußgürtel um die Lenden
Trage, bis bei deinem Tode
Deine arme Schwester erbet;
Büß um meine Schuld, o Tochter!

Trage züchtig, die dich decken,
Diese farbgen Seidenstoffe,
Und die Schuld, die sie beflecket,
Helf mir büßen, liebe Tochter!

Einstens werd ich bei dir stehen;
Zu unendlich süßem Troste
Wirst du deine Mutter sehen;
Jetzo gehe, süße Tochter!"

Und es scheidet Rosarose
Freudig von der gütgen Toten,
Hängt den Schlüssel an die Stelle,
Da sie hat die Gruft verschlossen.

Und die Lampe brennet helle;
Sie setzt freudig sich zur Orgel,
Läßt ein Requiem erschwellen,
Recht in freudig vollem Tone.

Als in des Benone Zelle
Eingetreten Jacopone,
Lag der Alte im Gebete
Und sprach hörbar diese Worte:

"Herr, dein Aug nicht von mir wende,
Wenn ich steh in bösem Zorne!
Herr, o leite meine Seele
Durch des Sündenmeeres Toben!

Herr, laß keinen trostlos sterben,
Ohne heilge Sakramente,
Laß den Sünder nicht verderben,
Ohne Buß vor seinem Ende!"

An der Zelle Türe stehet
Dieses hörend Jacopone,
Und von Schrecken ganz erbebet
Pochet er und ruft: "Benone!"

Und, die Tür geöffnet, redet
Ernst der Mönch: "O Jacopone,
Gott hat mein Gebet gesegnet,
Daß du bist an diesem Orte!