Sitzt zu ruhn dann auf die Stufen
Bei dem Jüngling am Altare,
Ihre züchtgen Augen wurzeln
Bang auf der Gestalt des Mannes.

Die erfrischten Rosen rufen,
Und er blickt nach Rosablanken;
Wie der Born geweckt die Blumen,
Weckt sein Blick die Rosenwange.

Von geheimer Macht bezwungen
Spricht die Jungfrau: "Herr, im Garten
Bot ich heut dir diese Blumen,
Und du hast sie ausgeschlagen.

Grubst dir emsig eine Grube,
Und empor schoß eine Schlange;
Du gingst in der Grube unter,
Ach in mir ist dieser Garten!

Es erschien mir Gottes Mutter
Und zertrat die böse Schlange,
Und doch fühl ich mich verwundet,
Da ich lebend dich betrachte!"

Und Meliore spricht verwundert:
"Du klagst einem kranken Arzte,
Rettung müßte ich sonst suchen
Vor der Schönheit meiner Kranken.

Du sagst wahr: Längst ging ich unter
In der Wangen Rosengarten,
Der Gesang des süßten Mundes
War mir eine bunte Schlange.

Aber hier steht Gottes Mutter.
Daß sie unser sich erbarme,
Lasse um die Stirn ihr duftend
Einen Kranz von Rosen prangen!"

Und er sitzet auf den Stufen,
Flichten den Kranz mit Rosablanken;
Da bricht durch der Linde Dunkel
Zu dem Bild Biondettens: Ave!

Und es krönet Gottes Mutter
Schon Meliore mit dem Kranze,
Und Biondettens Lied verstummet,
Bitter weinet Rosablanke.