Und Biondetta folgt den Nonnen,
Die wie Geister vor ihr wallen,
Zu dem Hause Jacopones,
Zu der Rosarosa Lager.

"Sei willkommen mir im Tode!"
Sprach die Kranke, und vom Lager
Hat sie leis ihr Haupt erhoben,
Unterstützet von dem Knaben.

"Daß dem Feuer du entkommen,
O, Biondetta, Gott ich danke;
Wolle nun zu meinem Troste
Mir ein Lied zur Harfe schlagen!"

Als die Jungfrau harfen wollte,
Sah sie an den blonden Knaben:
"Sah ich heut dich nicht am Bronnen
Mit dem Vogel, mit dem Lamme,

Bei der Jungfrau mit den Rosen,
Bei der süßen Rosablanke,
Die heut früh den Kranz geflochten
Für Marien am Altare?"

Und der Knabe hat gesprochen:
"Reicher als heut am Altare
Ward auch hier ein Kranz geflochten,
Und du wirst die Dornen tragen.

Als der Gärtner säte Rosen
In der Buße bittren Garten,
Fiel dein Körnlein in die Dornen,
Und du kennst nicht deinen Namen.

Denn du heißest Rosadore,
Jene heißet Rosablanke,
Rosarosa, rote Rose,
Ihr seid aus demselben Stamme!

Seid geschenkt der Mutter Gottes,
Als sie vor zwölfhundert Jahren
Auf der sündgen Erde wohnte;
Jetzt erst seid ihr aufgegangen.

Doch noch seid ihr kaum entsprossen!
O erscheine, Herr des Gartens,
Hüte deine heilgen Rosen
Und zertritt die falsche Schlange!" —