Fühlst du jetzt dein Haus geordnet,
Deinen Herren zu empfangen,
Speis ich mit dem Himmelsbrote
Dich zu diesem letzten Pfade." —
"Bis zum neuen Morgenrote
Harret noch", spricht leis die Kranke,
"Einen Bissen weißen Brotes
Aß ich heut von einer Armen,
Der durch dich, mein Jacopone,
Ward ihr kleines Feld erhalten
Gen den Anspruch eines Großen;
Sie bracht mir das Brot zum Danke,
Bat: `O esse von dem Korne
Jetzt aus Liebe zu dem Manne,
Der gerettet mir den Boden
Dem dies Brot für mich entwachsen!'
Aber hört, die elfte Glocke
Schlägt! Noch eine Stunde harret;
Reicht indes zum letzten Troste
Mir des heilgen Öles Salbe!"
Doch nun klaget Jacopone,
Der bis jetzt in stummen Jammer
Saß an ihrem Lager oben:
"Weh, o weh, ich muß dich lassen!
O dich, aller Jungfraun Krone,
Keusch und duldend gleich dem Lamme,
Das die Schuld hat hingenommen,
Das für uns das Kreuz getragen,
Rosarose, heilge Sonne
Meiner irdisch trüben Tage,
Firmament voll Lichtessonne,
Ewig gleiche Friedenswage! # waage?
Herr, was hab ich denn verbrochen,
Daß ich in der Nacht soll wandeln,
Daß aus meines Himmels Dome
Nun erlischt die heilge Lampe?
Weh, o weh, du süße Rose,
Dornen dir das Herz zerbrachen,
Die du fromm vor mir verborgen;
Schuldig muß ich mich anklagen!