Und es tönet meine Stimme
Süß, o süß ist meine Kehle,
Bis wetteifernd süß ergrimme
und verglimme Philomele.
Und ich singe zu dir nieder:
Mein bist du und mir gegeben,
Und es sehn dich meine Lieder
Unter Rosen weidend schweben!"
Wie sie also töricht singet,
Spricht Meliore: "Meine Schwester,
Fromme Taube, ach, es schlinget
Sich des Todes Band nur fester!
Nachttau mir vom Haupte fließet,
Und es wecket mir im Herzen,
Wenn sich gleich mein Auge schließet,
Deine Liebe bittre Schmerzen!
Mein Gewand, ich legt es nieder,
Soll ich wieder an es legen?
Nach dem Bad die Füße wieder
Mir besudeln auf den Wegen?
Deine Augen gleichen Blitzen,
Deine Augen von mir wende!
Meinem Herzen Degenspitzen
Scheinen deine zarten Hände!"
Aber wehe! nicht vernimmet
Sie den schweren Namen Schwester,
Glühender ihr Wahn entglimmet,
Sie umklammert ihn noch fester.
Und sie spricht: "Der Kelch der Lilien
Unserm Bett das Rauchfaß schwenket,
Unser Dursten zu vertilgen
Sich der Traube Becher senket.
Unsre Tür umgeben Früchte,
Ich bewahrte dir, mein Leben,
Heurige und fernge Früchte,
Beide kann ich dir nun geben!
O, du Liebe in Wollüsten!
O, du schön und lieblich Schweben!
Trauben gleichen meine Brüste,
Trauben wundersüßer Reben!