Einer Palme aufwärts dringend
Gleichet meines Leibes Länge,
Wie der Wein hinan sich schlinget:
O, wer sich hinan so schwänge!

Laß uns durch die Felder ziehen,
Ob uns sieht das Aug der Reben,
Ich will, wenn Granaten blühen,
Dort dir meine Brüste geben.

Dich, der meiner Mutter Brüste
Saugte, Bruder, dich den Schönen,
Wenn ich dort dich brünstig küßte,
Ach, wer wollte mich verhöhnen!"

Als sie diesen Frevel singet,
Springt sein Blut ihr neu entgegen;
Der Verband, der Hilfe bringet,
Kann die Raserei nicht legen.

Und von ihrem Nonnenbilde
Reißt sie in der Angst die Decke,
Daß damit das Blut sich stillte,
Und es dienet ihrem Zwecke.

Als sie zu dem Bilde blicket,
Fühlet sie ein tief Erschrecken,
Scham sie wie ein Schwert durchzücket,
Und sie eilt, sich zu bedecken.

Von des Bildes Augen fließen,
Wunder Gottes! bittre Tränen,
In die Arme muß sies schließen,
Ach, sie möchte es versöhnen!

Und dem Bilde gegenüber
Sitzt zur Harfe sie am Bette,
Und die Augen strömen über
Der verlorenen Biondette.

"Wo ist die, die aus der Wüste
Aufgeht, auf den Freund gelehnet?"
Spricht Meliore nun, und grüßte
Sie, nach der sein Herz sich sehnet.

"Auf dein Herz gleich einem Siegel
War sie wahrlich doch gesetzet.
Goldne Rose, deinen Spiegel
Hat die Schlange bös verletzet.