Und du sängst ihr an dem Fenster
In des Lorbeerbaumes Krone;
Futter würde hin sie legen
Alle Abend, alle Morgen,
Und dir schiens ein selig Leben,
Ging zu beten früh die Fromme,
Flögst du mit ihr zur Kapelle,
Die am Felsen höher oben;
Und wenn sie aus vollem Herzen
Unter Tränen spräch die Worte:
Herr, ach schau zu meinem Herzen,
Es ist ganz von Schmerz umdornet!
Herr, um deines Sohnes Schmerzen
Richte auf den Vater Kosme,
Laß ihn nicht verzweifelnd sterben,
Öffne ihm die Gnadenspforte:
Dann wär deine Lust zu Ende,
Deine Seligkeit zerronnen,
Denn nicht ferne von den Menschen
Überall das Elend wohnet.
Und es ist kein öder Felsen
Und kein Bächlein oder Bronnen,
Keine waldumschlossne Stelle
Unterm Monde und der Sonne,
Wo ein Mensch das Licht gesehen,
Wo nicht wär gesündigt worden,
Wo nicht wären bittre Tränen
Vor dem Herrn vergossen worden.
Und du würdest Abschied nehmen
Vor der nächsten Morgensonne,
Sängst noch einmal ihr am Fenster,
Flögst dann weiter unbesorget. —
Wärst du einer von den Sternen,
Die am hohen Himmelsbogen
Ewig auf und unter gehen,
Wie der Herr es hat geboten,
Und du wolltest dich bedenken,
Wo du deine Strahlen solltest
Rein und freudig niedersenken,
Daß sie widerspiegeln sollten