In dem Spiegel weiter Meere;
Sähest du das Schiff hinwogen,
Das die Sünde aus der Fremde
Bringet zu entfernten Zonen;
Auf der stadtbesäten Erde
Sähest du die Menschen morden;
In den Tälern, auf den Bergen
Sähest du die Sünde wohnen;
In des Klosters enger Zelle,
In dem gleichen Tun des Dorfes,
In des Marktes regem Leben,
Im erstarrten Tun des Schlosses:
Wo du deine Strahlen senkest,
Findest du ein Herz gebrochen,
Findest du ein Werk des Bösen,
Findest du ein Kind des Todes.
Und, wer seine Blicke lenkte
Zu dir flehend hin nach oben,
Wäre trunken ganz von Tränen,
Wäre dürstend nach dem Troste.
Doch du würdest dich nicht wenden,
Strahltest ruhig Gott zum Lobe,
Wollte untergehn die Erde,
Wollten auferstehn die Toten.
Was hier klaget, muß vergehen,
Schmerz und Sünde sind des Todes,
Und die Leiden tun nur wehe,
Weil sie sterblich sind geboren.
Aber was da ewig stehet
Sündenlos im Schaffen Gottes,
Kann sich nur in ihm bewegen,
Ist ein Freud- und Leidenloses.
Sieh, der göttliche Geselle,
Phosphoros, der Held des Morgens,
Funkelt von des Himmels Schwelle
Ruhig in den Garten Kosmes.
Und im Morgenwind beweget
Träumen still des Gartens Rosen;
Doch die Hütte ist voll Elend,
Und sie ist ein Haus der Sorgen.