Also heißt, der sie wird lesen;
Er ist recht ein Heilger Gottes;
Beichte will ich ihm ablegen,
Meiner armen Seel zum Troste!" —
"Soll ich nicht zum Wald erst gehen,
Vater, und die Kräuter holen,
Weil ich sie wohl alle kenne,
Außer Teufelsfuß und Krone?"
"Nein, ich muß sie selber brechen
Unter Tränen, fromme Tochter;
Wo ich gehe, liege, stehe,
Blühen sie ja allerorten!
Gehe nun, mein Kind, und flehe
Für mich um die Gnade Gottes!
Mein Bekenntnis abzulegen,
Will indes mein Herz ich ordnen.
Nimm die Fackel, die ich gestern
Einer Schlange gleich geformet,
Am Altare laß sie brennen,
Bei der Mutter Totenopfer!"
Und sie nimmt die Fackel betend;
Ihre Tränen niederflossen
Auf den Alten, der sie segnet,
Und sie wandelt aus der Pforte.
Wie sie durch den Garten gehet,
Weinen morgenlich die Rosen,
Und in tiefen Träumen wehen
Über ihr des Waldes Kronen.
Und es wirft schon durch die Stämme
Ihre Strahlen hin Aurore.
Aber sieh! zur Link und Rechten
Glüht am Himmel heut der Morgen.
Doch jetzt sieht bei der Kapelle
Sie ins Tal herab von oben;
Weh! die Röte ihr zur Rechten
Ist des Pietro Hütte lodernd.
Nieder durch die Felsenwegen
Eilt sie, achtend nicht der Dornen.
Da sie zu dem Garten gehet,
Fühlt ihr Fuß den glühen Boden.