Und sie sah verwirrt umwehen
Finstre Stirn die dunkeln Locken;
Denn schon auf die Gipfel leget
Niederschauend sich die Sonne.

Die da ewig sinkt und kehret
Sündenlos im Schaffen Gottes,
Kann sich nur in ihm bewegen,
Ist ein Freud- und Leidenloses.

** Romanze XVII: Totenmesse — Meliore und Rosablanka beichten

Stille herrscht in den Straßen,
Und es rauscht ein Morgenwehn
Durch der Gärten Lustterassen,
Wo die Blumen träumend stehn.

Eine Perle, eine Träne
Legt es jeder in das Herz,
Und sie wenden also schöne
Ihre Kelche sonnenwärts.

Und es wehen ihre Düfte
Durch die schlummerstille Stadt,
Durch die kühlen, regen Lüfte
Weht ein einsam Blütenblatt.

Und ein Vöglein aus der Linde
Flieget und das Blättlein fing,
Glaubt es spielend in dem Winde
Einen bunten Schmetterling.

Läßt betrogen dann es fallen
In des Springbrunns Marmorrand,
Und er spielt mit süßem Lallen
Mit dem süßen Frühlingstand.

Und der Vogel ohne Sorgen
Stürzet aus dem Bann der Nacht,
In den goldnen, lieben Morgen,
Der auf Turmesspitzen lacht.

Sonn und Vogel golden lachet
Auf dem Kreuz, das himmlisch thront,
Und es sinket überwachet
In das Licht der blasse Mond.