Durch den grauen Morgen dringet
Der prophetsche Hahnenschrei,
Und die Schwalbe dichtend singet
Ihres Traumes Phantasei.
Sieh, in einem frommen Blitze
Fängt das Kreuz den Sonnenschein,
Senkt ihn von des Turmes Spitze
In die stillen Straßen ein.
Und der Bettler, der geschlafen
Vor des Palasts Säulenkranz,
Hebt sich, da ihn Strahlen trafen,
Still und dreht den Rosenkranz.
Und es gehet Rosablanke
Durch das römsche Tor herein,
Eine Kerze trägt die Schlanke
Und ein Kännlein Opferwein.
Als sie an des Altars Stufen
Vor Biondettens Wohnung steht,
Will die Tänzerin sie rufen,
Daß sie mit zur Kirche geht.
Aber wie ward sie betroffen!
An dem kleinen, stillen Haus
Steht die Türe nächtlich offen:
Ging so früh die Jungfrau aus?
Nein, dann hätte sie geschlossen
Ehrbar hinter sich das Tor.
Und nun steigt sie unverdrossen
Zu der Kammer leis empor.
Und sie findet ganz zerrücket
Dieser Stube Ebenmaß,
An der Erde lag zerstücket
Manche Urne, manches Glas.
Blumen, Federn bunt zerstreuet
Und Gewänder hie und da,
Das, was gestern sie erfreuet,
Heute sie mit Schrecken sah.
Die zerrissnen Perlenschnüre
Säten eine Tränensaat
Zu des Schlafgemaches Türe,
Der sich Rosablanka naht.