Und sie pochet: doch die Kammer
Schweiget, und sie geht hinein.
Ach! Da tritt in tiefern Jammer
Noch die bange Jungfrau ein.

Weh, das Bettlein blutbeflecket,
Und zerstört das Saitenspiel!
Rosablanka tief erschrecket
Auf die Kniee niederfiel.

Zu dem kleinen Nonnenbilde
Rief sie unter Tränen aus:
"O, du Antlitz, ernst und milde,
Blut und Tod befleckt dies Haus!"

Und mit Angst und mit Entzücken
Fühlte sie, wie wundervoll
Aus des Bildes stillen Blicken
Eine helle Träne quoll.

Und so ganz von Angst durchdrungen
Weilt sie in dem bösen Haus,
Streckt die Hände schmerzgerungen
Zu dem Morgenlichte aus.

Wie verspätete Gespenster
Gaben hundert Kerzen Schein,
Tiefgebrannt, und durch die Fenster
Sah erschreckt der Tag herein,

Den die Nachtigallen grüßen
Auf des Fensters Gartenbeet,
Wo ihr Bauer unter süßen
Blumen eingezäunet steht.

Rosablanka geht zum Bauer,
Läßt die Sängerinnen frei:
"Flieht und sucht, wo eurer Trauer,
Meiner Trauer Heldin sei!

Schwinget euch zu ihrer Leiche,
Rufet ihren Mörder aus,
Daß die Rache den erreiche,
Der befleckt dies heilge Haus!"

Und die kleinen Vögel lenken
Zu dem Lichte erst den Flug,
Werden aber bald sich schwenken
Nach des Herzens innrem Zug,