Vor des Kirchleins Marmorschwelle
Sproßt der schönste Rosenstrauch
Und erfüllet die Kapelle
Mit der süßen Düfte Hauch.

Wunderbar ist er gewunden
Und geranket tausendfach,
Einer Schlange gleicht er unten
Und umzieht das ganze Dach.

Wo er aus der Erde dringet,
Ist er dürr und ungestalt,
Wo er höher an sich schwinget,
Grünt und sproßt er mit Gewalt.

Links wohl alle Rosen trauern,
Rechts sie freundlich lachend glühn,
Und es stehn des Kirchleins Mauern
Wie in Mond- und Sonnenschein.

Doch drei Sprossen sendet oben
Frisch der recht und linke Zweig;
Alle sechse dicht verwoben
Blühen freudig alle gleich.

Durch das Kuppelfenster schauen
Still sechs Rosen zum Altar,
Ihre Tränen nieder tauen
Auf Mariens Schleier klar.

Aber von den sechsen schimmert
Eine rot und eine weiß,
Und die dritte golden flimmert
Aus dem wunderbaren Gleiß.

|Rosa mystica Maria|
Heißt der heilge Rosenbund;
|Virgo dulcis, clemens, pia|
Grüßet sie des Volkes Mund.

Als die Jungfrau fromm sich neiget
Und zum Weihbrunn führt die Hand,
Wunderbar ein Anblick steiget
Auf an seinem Marmorrand.

Vor ihr steht zwei geistge Nonnen,
Blicken zu ihr ernst und mild,
Reichen ihr den heilgen Bronnen;
Eine glich wohl jenem Bild.