Jene, die da stand zur Linken,
Wo die Rosen traurig sind,
Ließ voll Schmerz die Augen sinken,
Wie die Mutter auf das Kind.
Als die Magd von ihren Händen
Das geweihte Naß empfing,
Suchte sie ihr zu entwenden
Von der Hand Biondettens Ring.
Als die Jungfrau dies empfindet,
Schloß sie schreckhaft ihre Hand
Und das Nonnenpaar verschwindet
Seufzend an des Brunnens Rand.
Aber in der Seele stehet
Ewig nun dies Antlitz fest,
Wo sie ruhet, wo sie gehet,
Dieses Bild sie nie verläßt.
Doch nun steckt sie Kosmes Kerze
An der ewgen Lampe Glut,
Will sie dann mit frommen Schmerze
Pflanzen, wo die Mutter ruht.
Doch sie findet aufgedecket
Der geliebten Toten Gruft,
Und: "O Jungfrau, nicht erschrecke!"
Eine Stimme zu ihr ruft.
Und es tritt der blonde Knabe,
Der sie bis hierher geführt,
Lächelnd aus dem offnen Grabe
Zu ihr, die sein Anblick rührt.
Denn es war, als stieg das Leben
Aus dem schweren, tiefen Tod;
Also wird ein Engel schweben
In dem letzten Abendrot.
Und er wird der Sonne winken
Die dann sinket nimmermehr,
Und die Erde wird ertrinken
In des ewgen Lichtes Meer.
Alle Schatten werden leuchten,
Alles Dunkel wird erglühn,
Und die Welten werden beichten
Vor dem Lichte auf den Knien.