Neben ihr das Licht als Schlange
Und die offne Totengruft,
Und der Mann, macht ihr so bange,
Und der tausend Rosen Duft.

Was sie nimmer hat gefühlet,
Woget durch die keusche Brust,
In dem Herzen brennt und kühlet
Ihr ein Leid und eine Lust.

Immer muß sie nach ihm sehen,
Ob er nicht sein Antlitz kehrt,
Und vor Scham möcht sie vergehen,
Wenn er ihren Wunsch gewährt.

Und in züchtig bangen Schmerzen
Werden tausend Wünsche frei;
Ach, sie wünscht, verwirrt im Herzen,
Daß er eine Jungfrau sei.

Und sie möchte mit ihm gehen
In vertrauter Liebeswahl,
Möchte mit ihm niedersehen
Von dem Berge in das Tal.

Würde er wohl träumend schweigen,
Wenn ein Abendvogel singt?
Würde er die Hand mir reichen,
Wenn die Sonne untersinkt?

Ach, ich würde ihn verstehen,
Wüßte stets, was er gedacht,
Würde seine Blicke sehen,
Deckt ihn gleich die stumme Nacht.

Und wenn ewig untersänke
Mir das süße Tageslicht,
Er, den ich so herzlich denke,
Er versänke mir doch nicht.

Ja, er müßte mich erhalten
Mit der treuen, starken Hand,
Wollte sich die Erde spalten,
An des Abgrunds steiler Wand.

Halte, halte, ach ich gleite!
Doch der starre Felsenschlund
Blühet mir an deiner Seite
Wie ein duftger Wiesengrund.