Mondvoll sind die Finsternisse,
Eine Rose ist mein Mund,
Deine Worte werden Küsse
In dem zauberischen Bund!
Also trieb vor ihrer Sonne
Sich der Träume Wolkenflug,
Und in wunderbarer Wonne
Ihre Seele Wogen schlug.
Aber von der Schlangenkerze
Traf ein Funken ihre Hand,
In des Brandes scharfem Schmerze
Sie die Sinne wiederfand.
Bei der Gruft erschien die Kerze,
Gleich der Schlange jener Gruft,
Die heut früh zu ihrem Herzen
Zückte aus dem Rosenduft.
Und Meliore glich dem Manne,
Der so ernstlich warnt und sprach,
Doch mit seines Blickes Banne
Jetzt ihr krankes Herz zerbrach.
Sieh, da küßt die volle Sonne
Jetzt Mariens Altarbild,
Und es deckt mit Glanzeswonne
Nochmals sie der Jungfrau Schild.
Und mit kindlicher Gebärde
Senkt die Magd ihr Lockenhaupt,
Spricht: "Die Schlange tritt zur Erde,
Die dir deine Rosen raubt!"
Und in Tränen ganz zerschwimmend,
Fühlet sie die Gnade mild,
Dennoch in den Tränen glimmend
Sieht sie nur des Jünglings Bild.
Und ihr Herz, sie anzuklagen,
Ewig: "|mea culpa!|" spricht,
Und sie braucht nicht dran zu schlagen,
Weil es schon in Ängsten bricht.
Wie sie auch die Blicke wendet,
Ihn, und immer ihn, sie sieht,
Gleicht dem Auge, das geblendet
Nie dem Sonnenfleck entflieht.