Lämmlein, fromm an sonngen Hügeln,
Stürzt nicht an dem Wasserfall;
Vöglein, unter Mutterflügeln,
Schreckt nicht vor des Sturzes Schall!
Wo auf süß beraster Stelle
Sonst die keusche Hirtin sang,
Da erwühlt sich eine Quelle,
Stürzet von dem Felsenhang.
Und die Lämmer, bunt geflecket,
Stürzet nach dem Abgrund hin,
Aus dem Schlummer aufgeschrecket,
Hält sie nicht die Schäferin.
Hirtin, Hirtin, nach den Höhen
Lenke rettend deine Flucht,
Um der Welle zu entgehen,
Die ja selbst die Tiefe sucht!
Doch sie stehet schon geschürzet
In der heilgen Grotte Raum,
Und die Welle nach ihr stürzet,
Folgend ihres Mantels Saum.
Aber als sie niederknieet
Vor dem kleinen Felsaltar,
In der Höhle Dunkel siehet
Sie gedrängt der Lämmer Schar.
Und sie dankt dem Gnadenbilde
Ihrer Herde Rettung itzt,
Das auch mit dem Wunderschilde
Sie in banger Flucht geschützt.
Und sie findet auf der Schwelle
Ihren Schäferstab und Hut,
Hierher führte ihn die Welle
Von dem Ort, wo sie geruht,
Die nun tiefer ab sich stürzet
Von der steilen Felsenwand,
Wo der Kräuter süß Gewürze
Nun von ihr erquicket stand.
Und die Hirtin tritt ins Freie,
Von den Lämmern bang umdrängt,
Sieht, wie eine neue Weihe
Fels und Tal und Quell empfängt;