Freudig ohne niedern Kummer
Wird er an die Erde sinken,
Betend dann in selgem Schlummer
Eines guten Traums ertrinken.
Überm Haupt die Jakobsleiter,
Wird er mit der Engel Reigen
In den offnen Himmel heiter
Zu geliebten Seelen steigen.
Also wird ihm einst geschehen,
Den jetzt solche Schläge schlagen,
Daß er ganz versteint in Wehen —
Dies wollt ich zum Trost uns sagen.
Unbemerkt im eignen Leide,
Knieet Pietro in der Kammer,
Und sie schweigen alle beide,
Jeder in dem eignen Jammer.
Aber nun spricht Jacopone,
Denn er hört ein fernes Singen:
"Wo ist ihre Blumenkrone?
Ach, man will sie von mir bringen!
Wo sind Blumen ihr zum Kranze,
Fromm und keusch, wie sie gewesen?
Erde, küß mit deinem Glanze
Nochmals, die von dir genesen!"
Und zu Pietro er sich wendet,
Spricht: "Hast Blumen du gebracht?
Rosen, die zutag gesendet
Diese tränenvolle Nacht?
O, mein Pietro, die Verblühte,
Zier sie mit des Lebens Bild;
Daß der Schmerz nicht also wüte,
Deck sie mit dem Blumenschild!"
Pietro mit dem Haupt verneinet,
Aber reden kann er nicht,
Und der Tränenlose weinet,
Als er sieht sein Angesicht.
Jacopone ihn umarmet:
"O, mein Bruder! mich erquicket,
Daß mein Leid dich so erbarmet,
Und aus deinen Augen blicket."