Und sie nimmt die rote Rose,
Fügt zu ihr der weißen Glanz,
Weiter eine gelbe Rose,
Und so fort den ganzen Kranz.
Bei den roten spricht sie immer:
"Rosarose, bitt für mich!"
Bei der weißen Rosen Schimmer:
"Rosablank geleitet dich!"
Aber bei der gelben Rose
Muß sie an Biondetten denken,
Und dann traurig zu der Rose
Ihre Blicke niedersenken.
Da sie nun den Kranz vollendet,
Sprach sie scheu zu Jacopone:
"Mich that zu dir hergesendet
Heut der Beichtiger Benone.
Meine Schulden abzubüßen,
Will er, daß ich im Geleite
Deine Weibs mit bloßen Füßen
Hinter ihrem Sarge schreite.
Und ich bitte dich zum Lohne,
Daß du dieses mir gestattest,
Als den Preis der Blumenkrone,
Die du ohne mich nicht hattest.
Trauer ist mein Kleid, ich weine
An der Mutter Sterbetage;
Wenn ich dir zu arm nicht scheine,
Laß mich folgen deiner Klage."
Da sprach zu ihr Jacopone:
"Du sollst bei dem Leichenwagen
Ihr die jungfräuliche Krone,
Die du ihr geflochten, tragen.
Dieses ist des Lanes Sitte;
Zwischen Pietro und Meliore
Sollst du schreiten in der Mitte
Mit dem Kranz im Trauerchore."
Aber plötzlich brach das Schallen
Aller Glocken durch die Luft,
Und der Priester in die Hallen
Tritt mit Kranz und Weihrauchduft.