Denn das Weib, das er geliebet,
Ging zu Grabe diese Nacht,
Und die Tochter, die er liebet,
Kam zum Leben diese Nacht.
Und die Sünde, nie besieget
Durch der Reue bittre Macht,
Jene Schuld, der er erlieget,
War erzeuget diese Nacht.
Und er wühlet in der Tiefe
Seiner Brust der Sünde nach,
Daß die Reue nicht entschliefe,
Schreit er seine Tote wach.
Und er sieht sie heilig knieen,
Wie er sie durchs Gitter sah,
Sieht sie dann die Glocke ziehen,
Da der böse Feind ihm nah,
Der die Farben ihm gerieben,
Als ein heilig Bild er malt,
Und den Schuldbrief ihm geschrieben,
Den nur ewger Tod bezahlt.
Ach! auch sie ist da erschienen
Seinen Augen keusch und klar,
Wie sie als Modell sollt dienen
Zu dem Bilde am Altar.
Mit den frommen heilgen Mienen,
Mit den Rosen in dem Haar;
Seinen Augen, brünstgen Bienen,
Sie die süße Blume war.
Lust und Sünde sieht er wieder,
Bis sie tief im Elend starb,
Die Verzweiflung reißt ihn nieder,
Weil er sie durch Lust verdarb.
Ach, daß alle Berge fielen
Und bedeckten ihn im Tal!
Wollten doch die Blitze zielen
Auf sein nackte Haupt zumal!
Ach, daß alle Wasser stigen,
Und es säh der neue Tag
Öde, weite Fluten liegen,
Wo er heute weinend lag!