Möchte dann die Taube fliegen
Mit dem milden Frühlingsblatt,
Sich en Friedensbogen biegen,
Wo er schwer gebüßet hat.

Aber weh! das Nachtgefieder
Schwingt der Rabe wild und hart,
Stürzt sich auf sein Haupt hernieder
Das in bösem Traum erstarrt.

Kalte Schrecken um ihn fließen,
Und Entsetzen sträubt sein Haar:
Wehe, dorten auf den Wiesen
Werden die Gesichte wahr!

An dem Walde ist erschienen
Eine weibliche Gestalt,
Von dem Haupte mondbeschienen
Das Gewand herniederwallt.

Gleich wie weiße Schwäne fliehen
An der dunklen Wälder Rand,
Sieht er eine Nonne ziehen
Längs des Gartens Schattenwand.

Jetzt sieht er den Schleier fließen,
Sieht die Füße blank und bar,
Sieht den Strick den Leib umschließen
Und die Rosen in dem Haar.

"Wehe, wehe, noch hienieden
Schwebst du, teure Seele, arm!
Wehe, wehe, noch kein Frieden!
O, daß sich der Herr erbarm!"

Und der Schrecken reißt ihn nieder,
Doch ihn faßt kein kalter Arm:
"Vater, find ich so dich wieder?
O, daß Gott sich dein erbarm!"

** Romanze VIII: Kosmes Buße II

Nieder stieg die Sonne wieder
Auf des stummen Hügels Rand
Und sieht scheidend ernst hernieder
In das dämmervolle Land.