Wohin soll ich dann mich schmiegen-
Wenn das Licht hoch überwallt?
In dem Staube werd ich kriechen
Mit der Schlange Mißgestalt.

Weh, die Sonne sinkt, vergießend
Blutge Tränen ohne Zahl,
Und aus ihren Tränen sprießen
Tausend Tränen bittrer Qual.

Und es weinen die Verliebten
Einsam in vergeßner Schmach,
Und es weinen die Geliebten,
Denen man die Treue brach.

Unter gingst du, Lustgezierte,
Der die Ehe mich verband,
Der aus schändlicher Begierde
Pflicht und Treue ich entwand.

Blutschuld ist die Rosenzierde
In der Sonne Untergang:
Fluch der teuflischen Begierde,
Die mit Sünde dich verschlang.

Alle Tränen, die du gießest,
Sinkend auf der ewgen Bahn,
Bis du deine Augen schließest,
Wachsen mir zur Sündflut an.

Und auf ihrer Woge ziehet
Dort des Mondes bleicher Kahn,
Aber keine Taube fliehet
Mit dem Ölblatt mir heran.

Mond, wie blinkst du bleich und siechend
An des Abends Rosengrab,
Wo die Sonne still versiegend
In den Schatten sinkt hinab.

Rosalata, du sankst nieder
Mit dem roten Rosenkranz,
Rosatristis, du kehrst wieder
Mit der weißen Rose Glanz.

Mond, ich sah dich mahnend ziehen
Wie ein Geist die Wolkenbahn,
Und ich muß hier weinend knieen,
Klagen mich der Sünde an.