Sei gegrüßt, Gebenedeite!
Denn mit dir will sein der Herr,
Und aus deinem Eingeweide
Soll erstehen dir der Herr.
Und die Frucht aus deinem Leibe
Soll dem Herren ähnlich sehn;
Daß dir Gottes Liebe bleibe,
Soll sein Bild aus dir erstehn.
Drum aus deinen sieben Reisen,
Von der Rinde bis zum Kern,
Laß mich eine Handvoll greifen;
Also ist der Will des Herrn!"
Vor des Engels lautem Schreie
Widertönt der Erde Erz,
Und mit einem tiefen Schreie
Tönet auf aus ihr das Herz:
"Gabriel! zum Herrn ich schreie,
Tief in innrer Angst erbebt,
Daß er mir den Wunsch verzeihe,
Daß ich bleibe unbelebt.
Daß ich jungfräulich im Scheine
Seines Lichtes freudig steh,
Nimmer um den Menschen weine,
Nicht in Sünde untergeh.
Jetzo bin vor Gott ich reine;
Soll ein Herr aus mir erstehn,
Wie soll bleiben er der meine,
Wenn er in das Licht gesehn?"
Und den Seraph hat das Weinen
Der Jungfräulichen bewegt,
Zu des ewgen Lichtes Scheinen
Ihn der Flügel wieder trägt.
Und wo er im Flug verweilet
In der weiten Himmelshöh,
Geht die Sonne, da er eilet,
Auf, daß sie die Erde seh.
Und er sprach: "O Herr, verzeihe!
Mich durchdrang ihr rührend Flehn;
Ihre Bitte, Herr, verleihe,
Laß in Reinheit sie bestehn!"