Doch der Herr sprach: "Will im Scheine
Meiner Sonnen keusch sie gehn,
Will sie bleiben immer reine,
Eh ihr auf die Augen gehn?
Sie liegt in des Traumes Zweifel,
Wenn mein Bild nicht auf ihr lebt;
Aus ihr schreiet nur der Teufel,
Wenn sie zierend widerstrebt."
Und der Herr sprach: "Niedersteige
Zu der Züchtgen, Michael!
Daß sie dir des Staubes reiche,
Nach des Ewigen Befehl!"
Als der Seraph sie umkreisend
Sieht im Mittagsglanze stehen
Und, des Herren Milde preisend,
Sich im Sonnenstrahl ergehn,
Rühret ihn, den göttlich Freien,
Der nicht kannte irdisch Weh,
Ihr metallisch heißes Schreien,
Daß ihr hart Gewalt gescheh.
Und er blieb, zur Höhe eilend
Bittend vor dem Ewgen stehn,
"Herr!" sprach er, "hör Gnad erteilend
Schonend an der Erde Flehn!
Ich hab sie im Sonnenkleide
Also schuldlos schlummern sehn,
Aller Tränen Augenweide
Unter meines Fittichs Wehn.
Als ich meine Flüge breitend
Sie mit meinem Flug erweckt,
Ihre Schmerzen tief mitleidend,
Hat mich ihr Geschrei erschreckt!"
Und der Ewge sprach: "So steige
Zu der Jungfrau, Raphael,
Daß sie dir des Staubes reiche,
Bringe ihr des Herrn Befehl!"
Und der Seraph niederschweifet
Überm blauen Wogenmeer,
Und die Erde lag umreifet
Von dem Abendglanz umher.