Also schwieg die junge Erde,
Da der Mensch, der Gottgeschaffne,
In dem Kelch des jungen Lebens
Sinnend schwankt und weint und lachte.

In ihr nur war alles Denken,
In ihr alle Herzen schlagen,
Mit ihr jedes Aug gesenket
Oder freudig aufgeschlagen.

Nun erhebet sie die Rede,
Und die tausend Hörer alle
Fühlen ihrer Lippe Beben
Still in freudigem Erwachen.

Züchtig sprach sie: "Hochgeehrte!
Schonend habt ihr mich vor Jahren
Aufgenommen in den Tempel,
Habt geduldet mich seit Jahren.

Wollet heute auch in Ehren
Eure Dienerin entlassen,
Daß mich rein ein reinrer Tempel
Aus der Künste Haus empfange.

Als ein Opfer will ich geben
heut des äußren Lebens Fabel,
Daß ich dann das innre Leben
Morgen opfre am Altare!"

Und nun stieg des Tempels Schwelle.
Mit Biondetten, einsam ragend
Stand ein Fels in ödem Meere,
Ein Marienbildlein tragend.

Rings die tausend Lichter blendend
Sanken ein, die Diamanten
Blickten schüchtern, ferne Sterne,
An dem dunklen Firmamente.

Eine weite Dämmrung streckte
Sich umher, und keine Schranken
Schienen um den Fels zu stehen,
Als nur liebende Gedanken.

Bei dem Bildlein saß Biondette
In dem Scheine einer Lampe,
In den weißen Arm gelehnet
Schimmerte die goldene Harfe.