Bitterlich weinend drückte ich mich in die Wagenecke; die gute Tante sagte mir kein Wort des Vorwurfs, aber Scham und Aerger über meinen Leichtsinn verbitterten mir den Genuß der ganzen Reise. »Du mußt künftig die Billets sogleich in den Geldbeutel stecken, das ist der beste Platz,« sagte die Tante später. »So wie dir heute ist es schon manch Anderem auch ergangen. Dir wird es nun so leicht nicht wieder geschehen!« »Ja, nachdem du arme Tante meine Thorheiten mit schwerem Gelde bezahlen mußtest!« seufzte ich, ihr die Hand küssend. »Nun beruhige dich, Kind,« entgegnete sie liebevoll. »Wenn man alle Thorheiten so leicht wieder gut machen könnte, so wäre es ein Glück. Genieße jetzt die schöne Gegend und laß das Grübeln und Aergern, ich vergebe dir alles von Herzen!«

Und wahrlich, bald gab es so viel Schönes und Interessantes zu sehen, daß es mit freiem, frohem Herzen genossen sein wollte, und so war ich der Tante innig dankbar für ihre Güte und Nachsicht. Wie entzückte mich das prächtige, alterthümliche Nürnberg, wohin wir nun kamen; wie konnte ich mich nicht satt sehen an dieser merkwürdigen Stadt, voll von Schönheiten aus dem Mittelalter. Jedes Haus hat dort seine besondere Physiognomie, jedes Thürmchen, jeder Giebel, jede Dachrinne sogar den eigenthümlichsten Schmuck; Malereien, Schnitzwerk, Thierköpfe und alle dergleichen Schnörkel sieht man, wohin das Auge sich wendet, und das alles giebt den Straßen ein lustiges, buntes und doch wieder so ehrwürdiges Ansehen. Natürlich betrachteten wir alle Sehenswürdigkeiten der Stadt auf das Beste; da all diese Dinge aber viel genauer und besser in Bädekers rothem Reisehandbuch zu finden sind, so erspare ich euch und mir die Beschreibung.

Vor allem entzückte mich die Sebalduskirche mit dem herrlichen Sebaldusgrabe. Was muß dieser Meister Peter Vischer für ein Mann gewesen sein, so bürgerlich schlicht und doch so groß in seinen Werken. Die prachtvolle Lorenzerkirche hob meine Seele mächtig zu Dem empor, zu Dessen Dienste sie gebaut worden, und die wunderschöne Fensterrose über dem gothischen Eingangsportale begeisterte mich sogar zu einem kleinen poetischen Versuche, den ich ehrlich mittheilen will, da ich hier doch nun einmal all meine Schwächen und Thorheiten zum Besten gebe. Ich hoffe, meine lieben jungen Freundinnen werden ein gnädig Gericht ergehen lassen; welche von ihnen hätte nicht auch einmal ein Verschen versucht. Das meine also heißt:

Die Rose.

Zu Nürnberg, dem alten,

Im lieben Bayerland,

Da blüht eine köstliche Rose,

Gar weit und breit bekannt.

Sie blühet seit grauen Zeiten

Schon manch Jahrhundert dort,