»Ich wünschte, daß du diesem Geschäft etwas mehr Sorge zuwendest, es ist gut sowohl für die Reinlichkeit als für die Gesundheit!« sprach die Tante freundlich, und begann nun selbst ihre Toilette, der ich erstaunt zusah.
Zuerst goß sie eine große Menge Wasser in das Waschbecken, entblößte dann Nacken und Arme von ihrer Umhüllung, und badete nun Kopf und Hals immer und immer wieder mit einem großen weichen Schwamme, den sie im Nacken ausdrückte. Dann rieb sie Arme und Hände mit schäumender Seife ab und rief munter: »Wasser und Seife kannst du mir nie zu viel verschwenden! Nach dem Verbrauche der Seife taxirt man die Cultur der Staaten, je mehr Seife derselbe consumirt, je weiter ist er im Fortschritt.« Dabei überreichte sie mir einen ebenso schönen, weichen Schwamm, als der ihrige war, und forderte mich auf, nun ihrem Beispiele zu folgen. Verlegen machte ich mich an das ungewohnte Werk und benahm mich dann auch dabei so geschickt, daß bald alles um mich herum schwamm. Zum Ueberfluß stieß ich auch noch den Wasserkrug um, und nun triefte alles rings umher, sowohl der zierliche Waschtisch, als auch der Fußboden und meine Bettgardine, ja sogar die Kleider auf meinem Stuhle.
»Himmel, wir ertrinken! Das nenne ich Wasser consumiren!« lachte die Tante, nach mir umschauend, und rettete die noch trockne Umgebung vor den strömenden Wogen. »Du bist ja riesenhaft cultivirt, meiner Theorie zu Folge!«
»Ach der dicke Schwamm ist dran Schuld, Tantchen!« rief ich fast weinend und blickte trostlos auf die Sündfluth um mich her.
»Alles will gelernt sein, Kind!« tröstete die Tante freundlich. »Mache jetzt, daß du wieder trocken wirst, sonst bezahlst du meine Lehren mit einem tüchtigen Schnupfen.«
»Wäre dies Anziehen doch nur erst überstanden!« seufzte ich im Herzen, während ich mir das Wasser zur Reinigung des Mundes zurecht machte. »Was wird dabei nun wieder falsch sein!« Aber das ging besser ab, als ich gefürchtet. Die Bürste war köstlich fein, das Pulver von angenehmen Geruch, und das half mir trefflich.
»Ich hoffe, du wiederholst dies Geschäft auch stets nach dem Mittagessen, Kind?« sagte die Tante, als ich fertig war.
»Nach dem Mittagessen, Tantchen? Nein, bis jetzt that ich das nie!«
»So thue es ja von heut an, es ist vortrefflich für die Conservirung der Zähne!«
»Ja wohl, liebe Tante!«