»Aber Eugenie, was thust du denn?« rief ich halb versteinert vor Verwunderung.

»Bah, ich bitte nur unseren guten Baron, für seine Abgebrannten einige Striche auf dem Cello als Beitrag zu liefern,« entgegnete Eugenie, sich etwas befangen abwendend.

»Auf dem Cello? Soll er bei unserm Concert mitwirken? Hast du ihn darum gebeten, Eugenie?«

»Nun ja, warum denn nicht? Er spielt ja so gut, warum sollte er nicht ein Trio mit mir und Maries Bruder ausführen? Ich übernehme den Flügel, Eduard die Geige und der Baron das Cello, das leitet die Geschichte prächtig ein.«

Ich schüttelte den Kopf und dachte, sie würde sicher eine ablehnende Antwort vom Baron erhalten. Aber o Wunder! schon am andern Tage erschien, etwas steif und verlegen zwar, aber doch lebendig und angeregt wie ich ihn nie gesehen, unser braver Baron. Welches Opfer es ihm mochte gekostet haben, seine Menschenscheu und Aengstlichkeit zu überwinden, das konnten wir nur ahnen, aber er hatte alles überwunden, und kam nun voll ängstlicher Beflissenheit, Eugeniens weitere Befehle zu vernehmen. Diese strahlte vor Freude und Dankbarkeit, und war ordentlich zärtlich zu ihrem neuen Freunde, der sich nun mit ihr bald so in die Auswahl eines passenden Musikstückes vertiefte, daß Tante und ich uns erstaunlich überflüssig vorkamen, gerade wie damals beim Besuch des Schlosses Senftenburg.

Als der Baron fort war, konnte ich meinen Muthwillen nicht unterdrücken und sagte recht fromm: »Wie gut ist es doch von dem Baron, daß er um des edlen Zweckes willen seine Schüchternheit überwindet und das Opfer bringt, mit dir zu spielen, Eugenie!«

Sie blickte rasch auf, bückte sich aber sogleich wieder und machte sich mit ihren Noten zu schaffen. »Hm, ja, sehr gut!« sagte sie zerstreut. »A propos, Gänseblümchen,« fuhr sie dann in ihrer alten neckischen Weise fort, »ich hätte dich nicht für so hartherzig gehalten, diesen guten Mann so grausam zu behandeln.«

Nun kam die Reihe an mich, roth und verlegen zu werden, denn es war mir gar sehr unangenehm, daß gerade Eugenie um diese Geschichte wußte. Eduard mußte sie ihr verrathen haben, denn Tante und Marie schwiegen darüber, dies Versprechen hatte ich von ihnen. Eugenie setzte ihren Muthwillen aber wunderbarer Weise nicht weiter fort, und ich meinerseits hütete mich nun wohl, sie durch Neckereien wieder zu reizen.

15.
Allerlei Neues.

»Eine Vorstellung zu wohlthätigem Zwecke«,