O Wonnemond, wie hast du mir

Den Mai in's Herz gegeben!

Doch nun genug der kleinen Lieder, welche uns in ihrer sinnigen Einfachheit einen tiefen Blick in die Gemüthswelt unseres Freundes gaben, in dessen Innerem so viel Schönes schlummerte, das nun jetzt an das Licht trat. Daß auch Eugenie ihrem Herzen in vielen kleinen Gedichten Luft machte, bemerkte ich wohl, aber auf alles, was sie selbst schuf, legte sie keinen Werth und liebte es nicht, davon zu sprechen. Wir wußten das längst und ließen sie deshalb in Ruhe, da sie uns von selbst nichts davon mittheilte.

Der glückselige Bräutigam hätte seine Eugenie am liebsten noch in demselben Monat, seinem wirklichen Wonnemond, als Gattin in das alte Schloß seiner Ahnen eingeführt; aber dagegen erhob sich Tante Ulrike's Stimme, welche ihr Pflegekind nicht sogleich von sich lassen und erst einigermaßen in die Geheimnisse eines Hauswesens einweihen wollte. Der Baron meinte zwar, das sei ganz unnütz, seine Frau solle gar keine Mühe von der Wirthschaft haben, das ginge alles seinen Gang weiter, wie es bisher gegangen. Dazu machte aber auch Eugenie ein bedenkliches Gesicht und sagte: »Nun ehrlich gestanden, ganz so dumm wie ein Gänschen möchte ich der Wirthschafterin doch nicht gegenüber stehen, ich blamirte mich am Ende wie jener Backfisch (bitte um Verzeihung, Gänseblümchen!), der weiche Eier kochen sollte und nach einer Stunde trostlos der Mama klagte, die Eier wollten absolut nicht weich werden, sie möchten kochen, so lange sie wollten. Nein, nein, Tante Ulrike hat Recht, wie immer! Erst will ich ein Bischen wirthschaften lernen, und dann mag der Baron seinen Willen haben, wenn er es durchaus nicht erwarten kann, das Hauskreuz auf den Rücken zu nehmen.«

Bei diesem Ausspruche blieb es denn auch für's Erste, neugierig aber war ich, wie viel Eugenie vom Wirthschaften lernen würde, denn bis jetzt hatte sie nie etwas davon wissen mögen. »Bah, laß mich mit dem Zeug in Ruhe!« sagte sie immer, wenn ich sie mit mir in die Küche nehmen wollte, in der ich mir sehr gern zu thun machte.

»Aber diese Dinge gehören ja doch zum Leben der Frauen, willst du dich nie darum bekümmern?« fragte ich dann wohl vorwurfsvoll.

»Kommt Zeit, kommt Rath, laß mich zufrieden und sei nicht so unerträglich weise, heilige Margarethe!« entgegnete sie in gewohnter Weise und fuhr in raschen Läufen über das Clavier, oder warf sich nachlässig in den Lehnstuhl und drehte ihre Locken über die Finger.

Das also sollte nun anders werden. Eugeniens Ehrgefühl kam jetzt mit in's Spiel, und alle Energie ihres Charakters trieb sie zur schleunigen Ausfüllung dieser Lücke in ihren Kenntnissen.

Aber es war eine schwere Aufgabe für Tante Ulrike, welche es übernommen hatte, ihre wirthschaftlichen Talente zu wecken, denn Eugenie nahm bei allem Eifer die Sache doch nicht ernst und hatte ewig Schelmereien im Sinne. Sie bewaffnete sich zu ihrem neuen Unternehmen mit einem Dutzend der schönsten weißen Küchenschürzen, und Baron Senft schenkte ihr eine ganze Bibliothek der vortrefflichsten Kochbücher. Aus diesen lernte sie täglich drei Recepte auswendig, und diese sagte sie dann wie ein kleines Schulmädchen ihrem künftigen Hausherrn auf, indem sie sich mit sittig gefalteten Händen vor ihn hinstellte; es war unsäglich lächerlich, und der Baron schwamm in Entzücken. Aber was von diesen Studien in ihrem Kopfe hängen blieb, war wenig brauchbar und gab ihr nur Stoff zu neuen Tollheiten; denn sie bereitete zuweilen heimlich die fabelhaftesten Gerichte und berief sich dabei stets auf ihre Kochbücher. Sobald sie nur wollte und aufmerksam war, begriff sie schnell und leicht und zeigte Geschick zu allem, aber bald fuhr ihr der Schelm wieder durch den Sinn, und dann war's mit der Achtsamkeit vorüber.

»Sei so gut, Eugenie, und putze diese Rübe,« sagte z. B. Tante Ulrike, und eifrig ging Eugenie an's Werk. Bald war sie fertig und überreichte ihre Arbeit. Aber die Rübe hatte sich unter ihren Händen in eine kleine Puppe verwandelt; unter dem grünen Blätterbüschel war ein Gesicht ausgeschnitten, das der Büschel wie eine Mütze deckte, ein Krautblatt bildete das Röckchen, und zwei auf Hölzchen gespießte lange Kartoffeln saßen als Aermchen zu beiden Seiten.