Sophie wurde dunkelroth und vergrub ihr Gesicht in der Blume, die sie in der Hand trug. »Ich kenne ein Gedicht an eine Rose,« sagte sie zögernd, »das gehört zu den schönsten, die ich je gelesen. Freilich kommt wohl auch dazu, daß der Dichter mir bekannt und lieb ist.«
»Und wie lautet es?« entgegnete Frida ziemlich gleichgültig; denn ihre Gedanken waren weit fort von hier. Da aber schlugen Worte an ihr Ohr, welche das Blut zu ihrem Herzen trieben.
Sophie sagte mit etwas bebender Stimme:
»In einem stillen Thale
»Blüht eine Rose hold,
»Die Blätter glühn und glänzen
»Wie süßer Minne Sold.«
»Um Gottes Willen, Sophie, woher kennst du diese Verse?« rief jetzt Frida und legte zitternd die Hand auf der Freundin Arm.
»Woher?« sagte Sophie sich abwendend und zögerte mit der Antwort. »Nun, daß ich es dir nur gestehe,« fuhr sie dann verlegen lächelnd fort, »Herr von Gablenz hat sie gedichtet und mir gegeben.«
»Er hat sie dir gegeben, Sophie?« rief Frida heftig und blickte verstört in Sophies Gesicht. »Dir? Und wann?«
»O schon bald nach seiner Herkunft,« sagte diese lächelnd. »Aber warum bist du denn so bleich und sonderbar, Frida? Mein Gott, was fehlt dir? Bist du unwohl?«
»Nein, nein,« stotterte Frida. »Ich.... ich. O Sophie, sage mir, ich flehe dich an, sollten diese Verse mehr für dich sein, als eben nur ein schönes Gedicht?«