Sophie aber bückte sich und nahm das Papier auf; es war Gablenz Rosengedicht. »Laß es mir, Frida,« sagte sie bitter, »es soll uns rächen.«
Jetzt hörte man Stimmen in der Nähe; es waren die der jungen Männer, welche kamen, ihre Valentinen zu suchen.
»Ich kann nicht, ich bin krank!« rief Frida zitternd und klammerte sich an Sophie fest.
»Sei ruhig und laß mich nur machen,« entgegnete Sophie, welche seit der traurigen Entdeckung etwas so Energisches, Entschlossenes in ihrem Wesen hatte, daß die arme; schwache Frida, die wie zerschmettert war von Jammer und Weh, sich unwillkürlich von ihr leiten ließ.
»Verzeihen Sie, meine Herren,« sagte Sophie, den jungen Leuten entgegengehend, »Fräulein Frida war so unwohl, daß wir die Stille aufsuchten, und jetzt sogar auf mein Zimmer gehen müssen; Sie entschuldigen uns wohl freundlichst noch für eine Stunde.«
Mit lebhaftem Bedauern zogen sich die Herren zurück, die jungen Mädchen aber eilten durch eine Seitenthür in das Haus auf Sophie's Zimmer; denn Frida bedurfte in der That der Ruhe und Einsamkeit. Sophie selbst hatte noch keine Thräne vergossen; Scham und Empörung waren so heftig in ihr, daß sie den Schmerz übertäubten, und in dieser Stimmung eilte sie zu ihrem Onkel.
»Hm, hm, das ist ja eine saubere Geschichte!« sagte der alte Herr nachdenklich, als Sophie ihre Mittheilung beendet hatte. »Laß mich nur machen, mein Kindchen! Hat er Komödie gespielt, laß sehn, ob wir es nicht noch besser können.«
»Was willst du thun, lieber Onkel?« rief Sophie ängstlich.
»Nichts weiter, als dir ganz die Augen öffnen. Sorge dich nur nicht und laß mich machen!« entgegnete der Alte, sich vergnügt die Hände reibend. »Den Junker wollen wir heut los werden; eine bessere Geburtstagsbescheerung konntest du mir nicht machen, mein Töchterchen. Da, stell dich dort in das tiefe Fenster, da hörst du die ganze Geschichte mit an, ohne gesehen zu werden.«
Kaum hatte Sophie sich zurückgezogen, als Herr von Gablenz in seiner sorglosen, eleganten Manier in das Zimmer trat.