»Sie wünschen mich zu sprechen, Herr von Helldorf?« sagte er, sich leicht verbeugend.
»Allerdings, mein lieber Herr,« entgegnete dieser leutselig. »Meine Nichte sagte mir soeben, daß sie sich mit Ihnen verlobt habe, und da wollte ich doch der Erste sein, der Ihnen Glück dazu wünscht.«
Gablenz war sehr roth geworden und verbeugte sich tief, um seine Ueberraschung zu verbergen. Aber ehe er noch ein Wort des Dankes hervorbringen konnte, fuhr der alte Herr freundlich fort: »Es freut mich das für Sophie um so mehr, als ich dadurch über ihre unsichre Zukunft beruhigt bin; denn bei so wenig Vermögen ist die Lage einer Waise oft trübe genug.«
Gablenz fuhr bei diesen Worten leicht auf und umfaßte krampfhaft die Lehne des Stuhles, an dem er stand.
»Ich glaubte,« sagte er halblaut, »die Verhältnisse Ihrer Fräulein Nichte seien bessere.«
»Ja, so denken die Leute,« entgegnete der alte Herr, eine Prise nehmend. »Aber das ist ein Irrthum. Wer meine Nichte heirathet, muß sich schon mit ihren andern guten Eigenschaften begnügen. Aber ich denke ja, das versteht sich von selbst bei einer rechten Neigung. Also, mein lieber Herr, Sophie hat Ihnen gestern schon das Jawort gegeben, wenn ich nicht irre, nicht wahr?«
»O so bestimmt doch noch nicht, mein verehrter Herr von Helldorf,« sagte Gablenz, der jetzt wieder seine sichre Haltung gewonnen hatte. »Sie wissen ja, wie das bei jungen Leuten so geht! Man läßt sich im Augenblick oft wohl hinreißen und ein Wort entschlüpfen, das der Moment geboren; aber zu einer ernsteren oder gar bindenden Entscheidung ist es bis jetzt noch nicht gekommen. Auch würde ich einen solchen Schritt jetzt kaum wagen dürfen, so sehr mich Ihr Vertrauen ehrt, theurer Herr von Helldorf. Meine Lage ist durchaus im Augenblick derart, daß ich an keine ernstere Verbindung denken kann. Auch fürchte ich sehr, Fräulein Sophie nicht länger meine Verehrung darbringen zu können, da ich leider genöthigt bin, morgen schon Ihr werthes Haus zu verlassen, wie ein Brief mir heut die Nachricht bringt. Ich bin....«
»Halt, ich kann das nicht länger ertragen!« rief jetzt Sophie rasch, welche bleich und bebend aus der Fensternische hervortrat. »Wozu die Komödie, Onkel? Es ist unwürdig und ganz überflüssig. Herr von Gablenz,« wandte sie sich stolz an den jungen Mann, der wie vom Blitz getroffen vor ihr stand, »nicht Sie, sondern ich löse hiermit ein Verhältniß auf, das Sie die Dreistigkeit haben, als nicht bestehend anzusehen. Mein Vermögen habe ich nicht verloren, wie mein Onkel sagte, indessen....«
»Aber theure Sophie, höre mich doch erst!« rief Gablenz schnell, der wieder Leben erhielt, sowie Sophie die letzten Worte ausgesprochen hatte. »Ich meinte ja nur....«