»Willst du nicht zusagen, liebe Frida?« fragte Gertrud.
»Nein, Mama, ich möchte es nicht,« entgegnete Frida ernst.
»Es ist aber schon das zweite Mal, daß du es ihr abschlägst,« sagte Gertrud. »Sie wird es dir gewiß übel nehmen.«
»Mag sie doch, ich werde ihr einige Zeilen schreiben,« rief Frida rasch entschlossen und stand vom Stuhle auf. »Warum soll ich ein Verhältniß aufrecht erhalten, das mir in so hohem Grade unerträglich wird. Franziska hat es fast als eine Beleidigung ihrer Familie angesehen, daß Gablenz in dieser Weise aus Hermsbach entlassen wurde, da er selbst es ihnen als seinen freien Entschluß darzustellen wußte. Sie hat in dieser unglücklichen Geschichte, welche hauptsächlich durch ihr Zuthun so weit gedeihen konnte, jetzt nur spitze Reden für mich, die ich nicht länger ertragen will, und seit ich nicht mehr so viel Sinn wie einst für ihre Eitelkeiten und Thorheiten zeige, muß ich nichts als Spöttereien mit anhören über ländliche Einfalt und Tugend. Das kann und mag ich nicht länger, Mama, darum will ich ihr lieber klar und ehrlich gestehen, daß unsre Wege verschieden sind. Ueber lang oder kurz käme es doch zu einem Bruche, und ich begreife jetzt blos nicht, wie es zwischen uns überhaupt jemals zu solcher Freundschaft kommen konnte.«
Während Frida dies Briefchen schrieb, trat ihr Vater in's Zimmer.
»Hier, mein Töchterchen,« sagte er heiter, Frida ein Blatt Papier reichend, »da kommt Tante Marie's vorläufige Einladung zur Hochzeit. Hannchen schreibt dir wohl selbst das Nähere, sieh einmal nach.«
Mit leuchtenden Augen öffnete Frida das Briefchen.
»O es soll ja eine Doppelhochzeit sein, Papa,« rief sie jubelnd. »Justus und Hannchen hatten erst noch warten sollen, bis die neue Pfarre in Hermsbach fertig würde, die Papa Helldorf seinem neuen Pastor bauen läßt. Walter und Lottchen wollen aber absolut nicht allein heirathen. Auf dem Vorwerk, das Walter übernimmt, sei so schrecklich viel Platz, daß da zwei junge Ehepaare bequem hausen können, behaupten sie, und so soll ich mich eilen, meinen Hochzeitsstaat fertig zu machen, denn lange wollen sie nun nicht mehr warten. Sophie und Helene, Martha und ich sind die Brautjungfern. O wie köstlich, Papa, und wir sind alle, alle eingeladen, du und Mama und die Kinder, alle, alle. Aber da liegt ja noch ein Zettelchen im Briefe, was ist denn das?«
Neugierig entfaltete Frida einen schmalen Streifen Papier und las die Worte:
»Was du gewünscht, es ist geschehn,
Und Ernst entsproß den Scherzen;
Kornblümchen blau und Tausendschön
Blühn jetzt an treuen Herzen.
Nun schlinge selbst die Myrthe ein,
Die Valentinen harren dein!«