»Aber nun die Tante; ach, wäre das erst überstanden!« jammerte Agathe. »Wenn ich es nur dem Onkel sagen könnte; aber ich sehe ihn ja nie allein. Und was hilft das auch; er schickt mich doch zu der Tante, denn er fürchtet sich, ihr etwas Unangenehmes zu sagen.«

»So nimm das Herz in die Hand, und geh' gleich zu ihr,« sagte Anne. »Ich warte in der Küche draußen auf die Antwort; zu Hause läßt es mir doch keine Ruhe.«

Agathe that, wie Anne ihr gerathen, und nun stand sie vor der Thür, die zu dem Zimmer der Tante führte. Sie hörte ihr Herz ordentlich klopfen und kämpfte nach Athem; endlich aber drückte sie muthig auf die Thürklinke, und nun war sie im Zimmer.

»Liebe Tante, wenn ich Sie nicht störe, möchte ich Ihnen etwas sagen,« begann sie ziemlich kühn.

»Was willst du? Warum bist du nicht bei der Arbeit?« sagte die Tante streng und blickte nach der Uhr, welche Arbeitszeit verkündete.

»Ich.. ich werde das Putzmachen doch nie lernen, verzeihen Sie, liebe Tante!« stotterte Agathe, ihre muthige Haltung schon etwas verlierend.

»Du wirst es nie lernen? Was soll das heißen? Du willst nicht, bist faul, ich weiß es lange!« fuhr die Tante auf. »Aber es hilft dir alles nichts, du sollst dein Brod hier nicht umsonst essen, sondern es dir verdienen; verstehst du mich? Jetzt geh' und bessere dich, und laß mich solche Reden nicht wieder hören! Du bist ein armes Mädchen; du mußt daran denken, dir dein Brod später selbst zu verdienen.«

»Ja wohl, liebe Tante, das will ich auch,« stammelte Agathe. »Wenn Sie es mir erlauben, so möchte ich eine Stelle annehmen.«

»Eine Stelle?« rief die Tante staunend. »Ich glaube, du weißt nicht, was du sprichst! Was willst du ungeschicktes Mädchen denn für eine Stelle annehmen?«

»Ich soll eine kranke Dame nach Italien begleiten,« sagte Agathe wieder muthiger. »Sie will mich mitnehmen, wenn Sie es mir erlauben.«