»Wie? Ich soll gleich mit dir kommen?« rief Agathe, die Augen weit öffnend. »So ohne Abschied, ohne alles, ohne....«

»Ja den Abschied von deiner zärtlichen Tante, den mußt du freilich dran geben,« lachte die Alte; »alles andere aber ist besorgt, da sei ruhig. Die alte Cousine packt eben deine Sachen zusammen, die ich in der Dämmerung abhole; sie weiß um alles, ist aber verschwiegen und freut sich, daß du fort kommst. In meiner Wohnung bleibst du bis zur Abreise von Menzels. Auch sie wissen um unsern Plan und reisen deshalb einige Tage früher; die guten Menschen, sie haben dich so lieb gewonnen.«

»Aber das ist ja eine wahre Entführung! Ich laufe ja davon, als wäre ich ein Verbrecher rief Agathe ganz außer sich vor Bestürzung.

»Nun ja, was bleibt denn anders übrig, wenn dein Onkel seine Frau nicht zwingen kann und will?« lachte die Alte. »Er hat ja eine Furcht vor ihr, als wäre sie Napoleon seine größte Kanone!«

»Aber dem Onkel muß ich Lebewohl sagen; von ihm kann ich nicht so fortlaufen, es wäre zu abscheulich!« sagte Agathe.

»Nun dann komm schnell, und besuche ihn in seinem Comptoir,« drängte die Alte. »Bis zwei Uhr ist er dort allein; das trifft sich gut.«

Eilig gingen die beiden Freundinnen nach dem Arbeitszimmer des Onkels, der in großer Unruhe in demselben auf und nieder ging.

»Agathe!« rief er freudig, als das junge Mädchen schnell bei ihm eintrat, und zog dasselbe an die Brust.

»O mein lieber, lieber Onkel!« schluchzte Agathe, »verzeihe mir!«

»Ich habe dir nichts zu verzeihen, Kind!« sagte Herr Niedrer sanft. »Ich sehe ein, daß es besser für dich ist, du verläßt unser Haus und nimmst die Stelle bei jenen braven Leuten an. Deshalb habe ich auch meine Einwilligung dazu gegeben. Gehe mit Gott, mein gutes Kind, und bleibe gut und brav. Alles andere laß dich nicht kümmern; ich weiß, was ich thue. Du kannst ruhig sein, sowohl was dich selbst, als auch was mich betrifft. Bist du in Noth, so wende dich getrost an mich; mein Herz wird dir immer offen sein, wenn es auch mein Haus in Zukunft nicht mehr sein kann.«