Man feierte in Schönfelde heut eine Doppelhochzeit; Fanny sowohl als Agathe sollten als junge Frauen in die neue Heimath einziehen, welche die Liebe ihnen bereitete. Es war ein schönes Fest, das die Familie feierte; denn trat Fanny jetzt als wirkliche Tochter in das Haus ihrer neuen Eltern, so zählte man auch Agathe durch die innigsten Herzensbande zu den Kindern des Hauses und freute sich, sie als die Frau des braven Predigers im Orte zu behalten.

Fanny hatte die Freude, von ihrer Mutter, welche ihre Tage in der Nähe der einzigen Tochter zu beschließen gedachte, an den Traualtar begleitet zu werden; aber auch Agathe stand nicht einsam. Der Onkel Niedrer war der Einladung Agathes gefolgt und führte die geliebte Nichte ihrem Gatten zu, und zu Agathes unaussprechlicher Freude gehörte auch Herr von Menzel zu den Hochzeitgästen, die Schönfelde beherbergte. Die Tante Niedrer freilich konnte es nicht über sich gewinnen, ihren Gatten zu begleiten; aber einige schöne Geschenke, welche sie Agathen schickte, zeigten doch, daß sie ihr vergeben hatte.

Das freundliche Pfarrhaus, in das wir unsere Agathe nun zum Schluß noch begleiten, war durch die Güte aller ihrer Freunde höchst behaglich und nett eingerichtet worden. Denn sowohl der Onkel Niedrer, als auch Herr von Menzel und die Gutsherrschaft waren bemüht gewesen, alle Schränke und Kasten der jungen Hausfrau zu füllen und ihr ein wohlausgestattetes Häuschen zu übergeben. Aber neben dem blühenden Gesichtchen der jungen Frau Pastorin zog noch ein altes, verwittertes mit in das Haus, dem mit Agathen zugleich eine schöne, stille Heimath geworden war. Wer es ist, brauche ich nicht erst zu sagen. Der neue, rothe Frießrock glänzt nicht herrlicher, als das glückliche Gesicht der Alten, die ihn trägt, und obwohl das neue schwarze Kopftuch von untadelhaft starkem Seidenzeug ist, so können die mächtigen Schleifen doch kaum ihre steife Würde bewahren, denn der Kopf, den sie zieren, schwankt und zittert heut in nie erlebter Aufregung.

»Dir danke ich ja alles, meine Anne, mein Glück und meine Heimath, und nie mehr lasse ich dich von mir!« sagte die junge Frau mit Thränen im Auge, als sie gemeinsam mit ihrem Gatten die alte Anne Sommer in das trauliche Hinterstübchen einführte, das sie ihr behaglich eingerichtet hatten. »Wärst du nicht gekommen, mir die Wege zu bahnen, wer weiß, wie es jetzt mit mir stände!«

»Du säßest als Directrice auf dem hohen Stuhle und nähetest Zughüte, daß sich die Königin selbst nicht zu schämen brauchte, sie aufzusetzen,« neckte der Pfarrer fröhlich. »Und in den Freistunden exercirtest du junge Bello's als Rekruten ein!« lachte die Alte, daß es dröhnte.

»Ach um alles, schweigt mir nur davon!« seufzte Agathe in komischer Angst. »Zwei Dinge in der Welt sind es, die nie in unser Haus kommen sollen, das sind Schooßhunde und Zughüte.«

»Halt, dergleichen Bedingungen darf man nie im Leben stellen, wie es im Sprüchlein heißt:

»Du sollst dich nie mit Schwur vermessen,
Von dieser Speise will ich nicht essen!«

rief der Geistliche schelmisch. »Wer weiß denn, was in dem Kasten steckt, den ich soeben für dich aus Leipzig erhalten habe!« Dabei holte er eine kleine Kiste herbei, deren schon losen Deckel er schnell öffnete und sie dann Agathen überreichte.