Frida verzog bei diesen Worten ihr Mündchen etwas höhnisch und zuckte mit den Schultern. »Jeder lobt sich seine Existenz als die Beste,« sagte sie herbe. »Für ein Leben, wie ihr es führt, müßte ich meinerseits nun wieder danken. Ich stürbe in den ersten acht Tagen dabei.«

Die Cousinen lachten herzlich und versicherten, es käme nur auf Gewöhnung an; Frida aber ließ sich innerlich schaudernd über solche Gewöhnung von Lottchen das gestickte Nachthemd überwerfen, und die Bewunderung über dies Kleidungsstück, das den jungen Mädchen etwas ganz Neues war, führte die Gedanken wieder auf andere Dinge. Das zierliche Nachthäubchen barg die vollen Flechten kaum, welche Hannchen bewundernd darunter schob, und die feinen, seidenen Pantöffelchen brachten Lottchen ganz in Ekstase.

»Du bist wie eine kleine Prinzessin im Märchen,« rief sie entzückt. »Solche reizenden Sachen habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen! Aber ich möchte sie nicht an mir haben; ich würde mich immer ängstigen, etwas davon zu zerreißen.«

»Nun was schadet das?« sagte Frida müde, »ewig kann man das Zeug doch nicht tragen, dann kauft man anderes.«

»Wir können das nicht, wir müssen sparsam sein und unsere Sachen lange tragen, sagt die Mutter,« erwiederte Hannchen. »Viel Kinder kosten Geld, für unsere Garderobe darf nicht viel ausgegeben werden. Aber bei unserm Leben hier auf dem Lande denkt auch niemand an Putz und Staat, das entbehren wir nie.«

»Aber kommt ihr denn nie in Gesellschaft oder auf Bälle und in Concerte?« sagte Frida.

»In Gesellschaft? O ja, zuweilen,« rief Lottchen stolz. »Pastor Werders und unsere Nachbarn in Hermsbach besuchen wir häufig, besonders an Festtagen, und das ist dann prachtvoll. Ich freue mich schon darauf, dich ihnen vorzustellen. Manchmal wird dann auch wohl ein Tänzchen gemacht, besonders wenn die Söhne in den Ferien da sind, jedoch wir Mädchen tanzen auch unter einander. Am schönsten aber ist's, wenn wir Geschwister unter uns sind, und Vater seine drei alten Tänze aufspielt, nach denen wir in der großen Unterstube tanzen. Du sollst nur einmal dies Vergnügen der Kinder mit ansehen; sogar unsere Mutter dreht sich da mit uns herum, wir lassen ihr keine Ruhe. Und nun kommt bald Kirmes, da tanzt das ganze Dorf und die ganze Umgegend unter unsern Linden. Das ist ein Fest, sage ich dir, wie du es dir gar nicht vorstellen kannst. Unser Großknecht ist ein prachtvoller Tänzer; du sollst sehen, mit ihm tanzt sich's so schön, wie mit deinem trefflichsten Cavalier im Tanzsaal.«

»Ich soll mit euren Knechten tanzen?« rief Frida erschrocken, »thut ihr denn das?«

»Nun natürlich, das ist ja eine Ehre, die wir den Leuten nicht abschlagen dürfen,« entgegnete Hannchen. »Wir würden es aber auch selbst gar nicht entbehren mögen; denn auf den Kirmestanz freuen wir uns schon das ganze Jahr, es ist gar zu lustig.«