»Die Butter? Daraus macht ihr Butter?« fragte Frida verwundert.

»Nun ja, woraus denn sonst?« lachte Hannchen. »Komm und sieh dir das Buttern einmal mit an; du hast es wohl noch nie gesehen?«

Frida folgte der Cousine in den Nebenraum, und hier sah sie mehrere hohe Butterfässer, welche von einigen derben Mägden in Bewegung gesetzt wurden. Das war für die kleine Stadtdame ein völlig neuer Anblick, und erstaunt sah sie dann, daß das Fett der Sahne sich bei der Bewegung im Faß von den Milch- und Wassertheilen trennte und sich zu kleinen Butterklümpchen verwandelte. Hannchen bot ihr ein Glas frischer Buttermilch an, welche aus dem Fasse gegossen wurde, und Frida genoß mit Vergnügen den unbekannten Trank, der ihr sehr mundete.

»Heute Abend kostest du gewiß mit doppeltem Appetit von der Butter, die du hier entstehen sahst,« sagte Hannchen, auf die leckere, weiße Masse zeigend, welche nach und nach aus den Fässern wanderte. »Ueberhaupt denke ich, wenn du erst allerlei hier kennen gelernt hast, wirst du Geschmack an unserm Leben finden. Aber nun soll Mariechen dich ein Bischen umherführen, ich muß zu den Leuten!«

Frida folgte der kleinen Marie etwas zaghaft nach dem Hofe, der ihr als ein äußerst unangenehmer Aufenthalt erschien. Aber die kleine Cousine ruhte nicht, bis sie dem jungen Mädchen all ihre Lieblinge gezeigt hatte, und kroch aus einem Stalle in den andern, bald hier eine Ziege an den Hörnern hervorziehend, bald dort weiße Kaninchen oder ein junges Lämmchen, oder besonders hübsche Hühner und Tauben. Frida kam sich vor wie ein Opferlamm und ließ sich geduldig von einem Stall zum andern, von einer Hütte oder einem Verschlag zum andern führen. Ihre schönen Stiefelchen waren ja doch einmal für ewig verdorben, und in welchen Zustand ihr feines Kleid auf dieser Wanderung gerieth, das sollte sie nicht länger beunruhigen; sie hatte doch wenigstens etwas Unterhaltung bei diesen Streifzügen.

»Aber das Kälbchen von unserer guten Bleß mußt du noch sehen, Frida, es ist zu niedlich!« rief Mariechen, abermals eine Stallthür öffnend und das junge Mädchen hereinziehend.

»Aber hier riecht es ja so schrecklich und ist zu fürchterlich schmutzig,« sagte Frida und blieb zögernd in der Thür des Kuhstalles stehen, ängstliche Blicke auf die Kühe heftend, welche brummend die dicken Köpfe nach ihr umdrehten. Sie mochte es nicht gestehen, daß sie sich vor den Thieren fürchtete, in deren nächster Nähe sie noch niemals gewesen war. »Sie werden dich stoßen, Mariechen, nimm dich in Acht!« rief Frida ängstlich, als sie sah, wie das kleine Mädchen furchtlos zwischen den schrecklichen Thieren umherkroch und sie mit ihren kleinen Händen zur Seite schob, um sich Platz zu dem Kälbchen zu machen, das neben einer hellbraunen Kuh in der Ecke am Boden lag.

»Mich stoßen?« lachte die Kleine. »Das wäre schön, alte Bleß, nicht wahr? Wir kennen uns besser. Alle Kühe in den Ställen kennen mich, Frida, sie sind nicht böse. Komm doch einmal her und sieh dir das Kälbchen an; es hat einen weißen Stern auf der Stirn, gerade wie seine Mutter, die Bleß.«

Aber Frida blieb ängstlich in der Thür stehen; sie hätte sich um die Welt nicht zwischen diesen Ungeheuern durchgedrängt, die sie alle mit ihren Hörnern zu bedrohen schienen.

»Nein nein, es riecht so sehr schlecht im Stalle,« sagte sie und wollte eben zurücktreten, da wurde sie von außenher hineingedrängt.