»O der Duft vom Kuhstall ist sehr gesund, Cousinchen, nur immer hinein und zier dich nicht!« rief eine etwas rauhe Stimme, und Frida sah Hermann neben sich, welcher, ein Paar hohe Stulpenstiefeln an den Füßen, sich an ihr vorbei drängte. Dann ging er pfeifend die Reihe entlang und klopfte bald dies, bald jenes der Thiere auf den glatten Schenkel, sie liebkosend und beim Namen nennend, und ein leises Brummen war die Antwort der gehörnten Freunde. Zögernd folgte Frida, indem sie sich ängstlich von den Thieren fern hielt, und sie seufzte froh auf, als sie die andere Seite erreicht hatte und durch die Thür hinausschlüpfen konnte.
»Hast du unsere Ferkel schon gesehen, Cousinchen?« sagte Hermann jetzt.
»Schweine?« rief Frida entsetzt. »Pfui, in den Schweinestall soll ich doch nicht etwa auch kriechen?«
»Hoho,« lachte Hermann, »da ist nicht pfui zu sagen! Unsere Schweine wohnen höchst appetitlich; komm nur mit, es ist da eine ganz prächtige Gesellschaft beisammen.«
Frida verzog den Mund spöttisch, folgte aber doch dem etwas ungalanten Vetter, der sie zu seinen Schützlingen führte. Aber sich abwendend hielt sie sich hier schnell das Tuch vor's Gesicht und wollte davon laufen. Hermann ergriff jedoch rasch ihre Hand und zog sie vorwärts. »Narrenspossen, ich lasse dich nicht fort, die Ferkelchen mußt du sehen, sie sind zu prachtvoll!« rief er eifrig. Dabei öffnete er einen der Bretterverschläge, und sogleich kamen eine ganze Menge kleiner, weißer Schweinchen herausgesprungen, welche quiekend um Frida herumliefen. Diese schrie laut auf vor Schrecken und Angst und klammerte sich mit den Händen an Hermanns Arm, besonders als das alte Mutterschwein jetzt grunzend mit seiner Schnauze ihre Füße berührte und sich nach ihren muntern Sprößlingen umschaute. Hermann lachte aus vollem Halse über Frida's Angst, und der alten Sau einen Tritt gebend, daß sie zur Seite fuhr, rief er lustig: »Bist du aber ein Hasenfuß, Cousinchen! Die Thiere thun dir alle nichts, das sind keine Löwen und Tiger. Sieh dir nur einmal die schmucken Ferkelchen an, hast du so was Niedliches dein Lebtag schon gesehen? Sind sie nicht weiß und lecker wie kleine Leberwürstchen? Und sieh nur, was sie für possirliche Sprünge machen und für allerliebste Schwänzchen haben! So ein Ferkelschwänzchen könntest du als Cravatte um den Hals tragen; so niedlich und zierlich kannst du keinen Knoten schlingen, sieh nur einmal!« Und rasch fing er eins der glatten, flinken Thiere und legte es Frida auf die Arme, das zierlich zu einer Schleife gewundene Schwänzchen hoch emporhebend.
Frida warf das völlig haarlose, fette, kleine Wesen voll Grauen zur Erde und rief beleidigt: »Behalte dein Viehzeug für dich, ich danke bestens! Pfui, wie ich nun rieche und aussehe!«
Hermann schlug mit seiner Reitpeitsche, die er in der Hand hielt, lachend unter die kleinen, quiekenden Thiere, daß sie über einander sprangen und sich kugelnd umher wälzten wie Gummibälle. »Bist du aber zimperlich!« rief er spottend. »Ihr Stadtleute seid komisches Volk. Einen Schweinsbraten, oder einen leckeren Schinken und frische Wurst verachtet ihr doch wahrlich nicht, obwohl es von diesen armen Thieren herstammt. Aber die Narrenspossen wirst du schon verlernen, hoffe ich, Fridelchen, ich werde dafür sorgen; dann nimmst du so ein Ferkel mit Entzücken in deine Arme und herzt es wie ein Schooßhündchen, das sollst du sehen.«
Frida hatte jetzt aber genug. Sie war dem ungalanten Vetter böse und wandte ihm rasch davongehend, den Rücken. Dieser pfiff lustig hinter ihr drein in echter Jungensweise; dann sang er in äußerst unmelodischen Tönen und mit der Reitpeitsche in der Luft umherfuchtelnd: »Hans mit den Pluderhosen sprang über'n Kachelofen — wutsch! war er weg.« Darauf verschwand er wieder in den Ställen, die zimperliche Cousine sich selbst überlassend.
Frida wollte eben ihr Zimmer aufsuchen, um sich von allem Schmutz dieser ersten ländlichen Inspectionsreise zu befreien, da kam Charlotte vom Hause her und sagte: »Ich will meine Glucken besuchen, Frida, kommst du mit mir? Vier habe ich gesetzt, wir wollen einmal sehen, was sie machen.«
Frida verstand von dieser Rede eben nur, daß die Reise nach dem Hühnerstalle gehen sollte, und da Federvieh ihr noch das Liebste von all dem Gethier auf dem Hofe war und ihr auch am wenigsten Furcht erregte, so begleitete sie Charlotten, denn schmutziger konnte sie ja doch jetzt nicht mehr werden, als sie nach diesen vorhergehenden Besuchen schon war.