»Weil — nun weil ich dachte, du möchtest den Justus heirathen,« rief Lottchen nun fassungslos und warf das Stöckchen weit von sich.
»Den Justus Werder? Ich den Justus Werder heirathen? Lottchen, ich glaube du träumst!« sagte Frida, die Augen weit öffnend. »Wie kommst du denn darauf? Das würde mir ja nun und nimmer in die Gedanken gekommen sein! Der Justus und ich, welch eine unglückliche Zusammenstellung!«
Charlotte war von ihrem Sitze aufgesprungen und hatte Frida's beide Hände ergriffen.
»Du denkst nicht daran und hast den Justus nicht lieb, Frida?« rief sie mit strahlenden Blicken.
»Nein doch, nein, ich bin so weit davon entfernt, als man es nur sein kann!« entgegnete Frida von Herzen lachend. »Ich gäbe eine schöne Predigerfrau ab! Du komisches Mädchen, wenn du dir darum Gedanken gemacht hast, dann beruhige dich. Ich nehme dir Justus Werder nicht weg, und er will mich auch gar nicht.«
»Ach ich ließe ihn dir gern, Frida,« sagte Lottchen leise. »Wenn ich ihn liebte, hätte ich diese Fragen nicht an dich richten können. Aber siehst du, ich kann es nicht mit ansehen, daß Hannchen sich so abhärmt, um ihretwillen ist's.«
»Hannchen liebt den Justus?« rief Frida voller Entzücken. »O das ist ja köstlich, das muß ein Paar werden! Hannchen mit ihrem frommen, blonden Gesichtchen giebt eine wundervolle Pastorsfrau ab. Hat Justus denn eine Ahnung davon, und glaubst du, daß er sie auch liebt?«
»Das ist's ja eben, was mich quält!« sagte Charlotte niedergeschlagen »Früher, ehe — nun daß ich es dir ehrlich sage, Cousinchen, ehe du kamst, zeichnete Justus unser Hannchen ganz entschieden aus. Das sahen auch seine Eltern, die es sehr wünschen; denn Hannchen ist ihr Liebling. Aber jetzt ist er so anders geworden. Jetzt gilt seine ganze Aufmerksamkeit dir, und das ist ja so natürlich, Hannchen verschwindet ja neben dir vollständig, wie wir alle. Da du nun so sehr freundlich gegen Justus bist und ihn so sehr auszeichnest, so — — —«
»Ja ja, so dachtet ihr, ich wollte ihn deshalb gleich heirathen!« rief Frida lachend. »O ihr guten, lieben Kinder! Wenn ich alle die heirathen wollte, die mir den Hof machen, dann hätte ich eine schöne Auswahl. Courmachen und Heirathen sind zwei himmelweit verschiedene Dinge, Liebchen!«
Charlotte war sehr ernst geworden. »Frida,« sagte sie, »weißt du, es ist vielleicht sehr altmodisch und ländlich von mir; aber mir scheint, man müßte nur demjenigen so freundlich entgegen kommen, als du es mit Justus gethan, den man wirklich lieb hat, sonst thut man ein Unrecht. Wenn Justus nun deine Liebenswürdigkeit anders auslegt und sich einbildet, du magst ihn leiden? Er würde dir dann vielleicht einen argen Vorwurf daraus machen, sobald er erführe, er habe sich geirrt.«