»Aber Lottchen, bin ich denn gegen Justus wirklich freundlicher, als gegen alle andern jungen Leute?« sagte Frida kopfschüttelnd.

»Ich weiß es nicht, Cousinchen,« entgegnete Charlotte plötzlich sehr roth werdend. »Aber es muß wohl so sein, sonst könnte Hannchen sich nicht so sehr grämen. Aber freilich, du bist so ganz anders erzogen, als wir. Bei dir ist alles Grazie und Anmuth; wir sind wahre Perückenstöcke neben dir, da mag solche Liebenswürdigkeit wohl anders beurtheilt werden. Niemand von uns hätte den Muth und die Gewandtheit, so unbefangen über alles zu scherzen, als du es thust, und so ungerührt sich die süßesten Schmeicheleien sagen zu lassen.«

Frida erröthete. »Gestehe es nur, Lottchen,« sagte sie schelmisch, »eigentlich findet ihr alle zusammen, daß ich eine ausgemachte, eitle Coquette bin, nicht wahr?«

»O nein, nein, Frida, um alles in der Welt, denke das nicht!« rief Lottchen eifrig.

»Nun, wenn auch nicht ganz so schlimm, so doch ein Bischen, nicht wahr, Schatz?« sagte Frida, Charlotten umschlingend und ihr herzlich in die Augen schauend.

»Nun ein Wenig zurückhaltender könntest du allerdings wohl sein, Frida, das ist richtig,« entgegnete Charlotte ehrlich. »Aber sei nicht böse drum. Ich las kürzlich ein Verschen in den Gedichten von Friedrich Rückert, die du mir geborgt hast; das fällt mir jetzt manchmal ein, wenn ich dich so sicher und selbstbewußt unter den jungen Leuten sehe.«

»Und wie ist dieser Vers, meine kleine Lotte?« fragte ihre Cousine lächelnd.

»Er heißt, aber sei nicht böse: