Schön bist du,
Das weißt du
Nur leider zu sehr;
O wüßtest du's minder,
So wär'st du es mehr.«
»Du ganz abscheuliches Mädchen!« lachte Frida tief erröthend, »du sagst mir da bittere Süßigkeiten. Aber ich danke dir dafür, ich werde daran denken. Bis jetzt hat mir kein Mensch gesagt, daß ich anders sein sollte; es ist aber möglich, du hast nicht unrecht.«
»Und du bist mir wirklich nicht böse, Frida?« sagte Charlotte flehend, ihre Cousine schüttelte aber halb lächelnd, halb ernsthaft den Kopf und küßte die hübsche Tadlerin herzlich. Dann versprach sie ihr, besonders gegen Justus zurückhaltender zu sein, damit er sähe, sie denke nicht daran, ihn für sich zu gewinnen.
Charlotte schien zwar noch etwas sagen zu wollen, schloß aber die schon geöffneten Lippen wieder mit einem kleinen Seufzer und folgte Frida, welche sie fröhlich plaudernd den Baumgang hinabführte.
Aber kaum waren die beiden Cousinen wieder in das Haus zurückgekehrt, so merkte Frida, daß Hannchen auch gern etwas mit ihr sprechen wollte, die Gelegenheit dazu sich aber immer nicht fand.
»Hannchen,« sagte Frida endlich unbefangen, »du hast gewiß wieder einmal deine bösen Kopfweh; komm ein Bischen mit mir in den Garten, mir ist heut auch gar nicht recht wohl.«
Hannchen war schnell bereit dazu, und bald umschattete jene ferne Laube, welche kurz zuvor Lottchens Geständnisse aufgenommen hatte, nun auch Hannchens Wangen, welche sich plötzlich sehr dunkel färbten.
»Weißt du, liebe Frida,« sagte sie plötzlich mit ihrer weichen, lieblichen Stimme und preßte die Hände fest in einander. »Es ist mir so lieb, daß ich einmal allein mit dir sprechen kann.«
Frida konnte ein Lächeln nicht unterdrücken; denn sie ahnte, von wem ihr sanftes Hannchen mit ihr sprechen wollte. Sie versuchte ihrer Cousine auf halbem Wege entgegen zu kommen und sagte vertraulich:
»Du hast etwas auf deinem Herzen, Hannchen, ich habe es wohl gemerkt, was ist's? Welcher Bösewicht hat es gewagt, den Frieden deines sanften Gemüthes zu stören, mein schüchterner, kleiner Vogel?«