»Nicht doch, Frida, sag' doch so etwas nicht,« entgegnete Hannchen und schlug bang die Augen nieder, damit ihr Blick nicht die Worte strafen möchte. »Ich wollte dich gern etwas fragen, einen unsrer Nachbarn betreffend.«

»Sagt' ich's nicht?« rief Frida schelmisch, »ein Nachbar macht deinem sanften Herzchen zu schaffen! Heißt er mit dem ersten Anfangsbuchstaben etwa Justus Werder?«

Hannchen schrak leicht zusammen und blickte Frida scheu an.

»Wie kommst du darauf, von ihm so zu sprechen?« sagte sie herber, als sonst ihre Art war. Dann aber strich sie leicht mit der Hand über ihre Augen, und als bereue sie ihre Unfreundlichkeit fuhr sie in sanftem Tone fort: »Nicht von mir ist die Rede, liebe Cousine, sondern von jemand ganz andrem. Sage mir, Frida, meinst du nicht auch, daß jemand dich sehr, sehr gern zu haben scheint?«

»Mich? Von mir sprichst du, Hannchen?« rief Frida lachend. »Nun ich hoffe, ihr alle habt mich sehr, sehr gern.«

»Ach so meine ich es ja nicht, das versteht sich ja von selbst,« sagte Hannchen ausweichend. »Wie soll ich mich nur deutlich machen, ich bin so ungeschickt! Ich meine, hast du nicht gemerkt, daß jemand in Hermsbach dich sehr, sehr gern hat?«

Jetzt war es an Frida, zusammenzuschrecken und erröthend die Augen niederzuschlagen. Rasch aber faßte sie sich und sagte: »Ach die Galanterien der jungen Leute sind nicht so ernsthaft zu nehmen, liebes Hannchen. Herr von Gablenz hat ja für uns alle stets etwas Angenehmes auf den Lippen; mich zeichnet er wirklich nicht mehr aus, als jede von euch.«

»Ich meine auch gar nicht den Herrn von Gablenz,« fuhr Hannchen zögernd fort, »ich meine einen Anderen, der dich so auszeichnet, wie sonst niemanden. Erräthst du ihn nicht?«

Frida athmete froh auf und rief lachend: »Ich glaube gar, du sprichst von Walter Helldorf! Hab' ich's errathen, Cousinchen?«

Hannchen nickte ernst und sah vor sich nieder.