»Nun? Und warum beunruhigt es dich, daß ich den armen, blöden Jungen ein Bischen munter gemacht und ihm die Zunge gelöst habe? Ich denke, für deine Augen giebt es doch einen anderen Magnet, als Walters ehrliches Gesicht, oder ich müßte auf ganz falschem Wege sein.«

»Ach bitte, laß mich doch nur aus dem Spiele,« sagte jetzt Hannchen fast weinend. »Ich hätte dies Gespräch ja gar nicht begonnen, wenn nicht..... Ach siehst du, Frida, sage doch ehrlich, liebst du Walter Helldorf?«

Frida lachte hell auf. »Ihr seid ein paar wundervolle Kinder, du und Lottchen um die Wette. Die Eine denkt, ich..... Doch halt, das wollte ich nicht sagen. Nun Hannchen, und wenn ich ihn nun gern hätte, den guten, ehrlichen Jungen, was dann? Dir käme ich ja doch nicht in's Gehege damit, Kleine?«

Hannchen brach plötzlich in Thränen aus. »O Frida, ist es wahr, liebst du ihn wirklich?« rief sie angstvoll. »O bitte, bitte, sage die Wahrheit!«

Frida wurde jetzt ganz ernst und sagte weich: »Nein, nein, Hannchen, beunruhige dich nicht; Walter paßte so wenig zu mir, als etwa Justus Werder. Die brauchen alle Beide ganz andere Frauen, als ich eine abgäbe. Aber nun sage mir auch, was deine Frage zu bedeuten hat; denn ehrlich gestanden, ich werde nicht klug aus dir. Ist dir wirklich so viel an Walter gelegen, daß dich der Gedanke so unruhig macht, ich könnte ihn gern haben?«

»O nein, nicht meinetwegen ist's, Frida!« rief Hannchen jetzt durch ihre Thränen lächelnd. »Wäre dies der Fall, dann hätte ich nie den Muth gehabt, dich danach zu fragen. Nein, es ist wegen Lottchen. Ich weiß, sie hängt mit inniger Liebe an Walter, und ich glaube, er hatte sie wohl auch recht gern, ehe....«

»Aha, ich merke schon,« rief Frida rasch, »ehe die abscheuliche Frida zu euch kam, und mit ihrer unerträglichen Coquetterie sein armes, braves Herz umgarnte, ist's nicht so, Cousinchen? O gestehe es nur, so ist's! Seine blauen, ehrlichen Augen sind seitdem etwas aus ihrem Cours gewichen und meiner Spur gefolgt, statt daß sie den beiden Kornblumenäuglein nachschauen, die bis dahin ihr Ziel bildeten. Nicht wahr, mein armes Hannchen, das war's, was dich gekränkt hat?«

Hannchen blickte mit sanftem Flehen auf und wußte nichts zu erwiedern, Frida aber fuhr mit ironischem Lachen fort: »Jetzt fehlt nur noch, daß Helene und Sophie kommen und mich anklagen, ich bestricke den jungen Doktor und Herrn von Gablenz, die sie für sich bestimmt haben. O!« rief sie heftig und sprang vom Sitze auf, »warum jagt ihr die abscheuliche Coquette denn nicht zum Hause hinaus? Besseres verdient sie ja nicht für ihr schamloses Betragen.«

Hannchen umschlang das leidenschaftliche Mädchen weinend mit ihren Armen, denn sie verstand nicht recht, was Frida so heftig erregt hatte.

»O verzeih mir, Cousinchen, verzeih mir,« bat sie schluchzend, »es war unrecht von mir, dich durch meine Fragen so zu kränken, ich sehe es jetzt erst ein. Nur meine Sorge und Liebe für Lottchen ließen mich alle Rücksicht vergessen, sonst hätte ich nie den Muth gehabt, so etwas zu sagen. O nun bist du mir so böse, und wahrlich, ich habe es nicht anders verdient!«