Und bitterlich weinend sank sie wieder auf die Bank, das Gesicht mit den Händen bedeckend.

Frida, deren Heftigkeit so plötzlich hervorgebrochen war, nachdem sie eben noch über Hannchens Idee gescherzt, schämte sich ihrer Leidenschaft und setzte sich still neben Hannchen, ihr die Hände streichelnd und bemüht, sie zu beruhigen. Als ihr dies endlich gelungen, sagte sie, mit Gewalt ihre Aufregung bei der Frage niederkämpfend: »Nun sollst du mir zur Sühne aber noch etwas gestehen, liebes Hannchen. Was ich vorhin mit bitterem Hohn sagte, will ich jetzt noch einmal ruhig und gleichmüthig fragen, damit ich weiß, daß ich weiter niemanden unter euch mit meinem Betragen kränke. Glaubst du, daß auch Helene oder Sophie oder sonst jemand der Freunde Grund hat, mein Benehmen in ähnlicher Weise zu tadeln? Bitte, sage es mir ehrlich; ich will nicht wieder heftig werden, ich verspreche es dir!«

»Nein, das glaube ich kaum,« entgegnete Hannchen nachdenkend. »Helene und Sophie sind sich gegenseitig wohl mehr im Wege, als du es ihnen bist, das fürchte ich seit einiger Zeit.«

»Sich gegenseitig?« fragte Frida aufhorchend. »Wobei denn?«

»O sie sind Beide thöricht!« rief Hannchen ungewöhnlich streng, »mir scheint — aber nein, ich will lieber nicht davon sprechen. Sie werden selbst bald genug sehen, daß nicht alles Gold ist, was glänzt, und daß so ein glatter Herr nicht gemacht ist für uns simple Dorfmädchen.«

»Sprichst du von Herr von Gablenz, Hannchen?« stammelte Frida leise.

»Freilich spreche ich von ihm,« sagte Hannchen achselzuckend. »Es verdrießt mich, daß ihr alle den eitlen Mann so vergöttert und ihn dadurch nur noch mehr verderbt, als er so schon ist.«

»Verdorben nennst du ihn?« rief Frida empört. »Was berechtigt dich sanftes Wesen denn zu einem so ungerechten und harten Urtheil über diesen so ungewöhnlich liebenswürdigen, jungen Mann?«

»Eben seine ungewöhnliche Liebenswürdigkeit,« entgegnete Hannchen ernst. »Ich bin einmal ein sehr ruhiges und nüchternes Mädchen und in einfachen Verhältnissen aufgewachsen; mir gefällt Herr von Gablenz ganz und gar nicht, und wenn ich es ehrlich sagen soll, ich traue ihm nicht.«