Dies Interesse für ihre Cousinen zog Frida jetzt häufig von den Beobachtungen ab, welche ihre eigne Herzensneigung betrafen. Herr von Gablenz war in unveränderter Weise ihr ergeben; aber in ebenso unveränderter Weise umschwärmte er auch die andern jungen Mädchen, deren durch diese ländlichen Feste eine noch größere Anzahl zugegen waren. Den Schluß der Vergnügungen sollte die Feier des Geburtstages des alten Herrn von Helldorf bilden, und die ganze Umgegend war eingeladen, derselben beizuwohnen.
»Helfen Sie mir, Fräulein Frida, etwas Abwechslung in die Freuden dieses Tages zu bringen,« sagte Herr von Gablenz halblaut. »Wenn wir Beide die Sache nicht in die Hand nehmen, wird sie langweilig wie die ganze liebe Gesellschaft hier zu Lande.«
Frida erröthete froh, denn der Vorzug, den Gablenz ihr vor all den Andern einräumte, machte für sie ja wieder alle Gerüchte und alle Befürchtungen zu Schanden.
»Von Herzen gern,« entgegnete sie hellen Blickes. »Aber wie fangen wir es an?«
»Was meinen Sie zu einem improvisirten Valentinstage,« sagte Gablenz leise. »Mir scheint, das würde unserm Verkehr einen pikanteren Beigeschmack geben. Ein tête à tête mit meiner holden Valentine, nach dem mich seit langen schon so unaussprechlich verlangt, wäre das Ziel meiner Wünsche.«
Frida schlug erglühend das Auge nieder vor dem kecken Blick des jungen Mannes, dessen Sprache sie nicht mißdeuten konnte. Während sie nach Fassung rang, fuhr Gablenz vertraulich fort: »Blumen sind, wie die schöne Frida von früher weiß, die besten Dolmetscher unsrer Gefühle. Wie wäre es, wenn wir sie auch hier sprechen ließen?«
Frida preßte mit klopfendem Herzen ihr Tuch an die Lippen; dann sagte sie, den Kopf leicht abwendend: »Gewiß, das wäre ein hübscher Gedanke. Bringen Sie die Sache in Vorschlag und hören wir, ob unsere zaghaften Damen sich den kleinen Freiheiten auszusetzen wagen, welche das Verhältniß zu ihrem Valentin mit sich bringt.«
Anfangs schien es allerdings, als ob der Vorschlag Bedenken erregte; die jungen Männer aber waren Feuer und Flamme für diesen Plan, und so wurde er schließlich angenommen. Für den Abend bereitete Herr von Gablenz ein brillantes Feuerwerk vor, vorher aber sollte Tanz im Freien, sowie allerlei Spiel und Scherz die Gäste unterhalten.
Am Morgen dieses Festtages fand Justus Werder, welcher, wie gar oft, zum Besuch in das Vaterhaus gekommen war, eine frische blaue Kornblume auf seiner Tasse, als Helene sie ihm beim Kaffee überreichte. Verwundert schaute er auf, sah aber, daß seine hübsche Schwester rasch den Finger auf die Lippen legte. Justus nahm die Blume schweigend an sich; da fiel ein Streifchen Papier herab, das am Stiel derselben gehangen. Unbemerkt öffnete es der junge Mann und las folgende Worte: