»Kornblume und blau Aeugelein
»Sie harren heut im Stillen dein.«
Ein glückliches Lächeln flog über Justus frisches Gesicht, und Blume und Zettelchen zu sich steckend nickte er seiner Schwester dankend zu; denn was die Botschaft heißen sollte, ahnte er recht wohl.
Eine ähnliche hatte auch Walter Helldorf an diesem Morgen erhalten, er wußte nur nicht von wem; sein Zeichen aber war ein rothes Tausendschön, das ihm die Worte zuflüsterte:
»Von tausend Schönen gieb den Preis
»Ihr, die dein Herz zu finden weiß.«
Während Walter die Deutung dieser Blumensprache noch überlegte und unschwer zu entziffern wußte, ging in den entferntesten Wegen des Hermsbacher Parkes ein schlankes Mädchen langsam und gedankenvoll an der Seite eines jungen Mannes, der eifrig auf sie einsprach. Er hatte eine rothe Nelke in der Hand, und indem er dieselbe in dem Knopfloch seines Rockes befestigte, sagte er halblaut: »Wenn ich Ihre Zustimmung habe, theure Sophie, so kann Ihr Onkel sie mir nicht entziehen. Sie sind seit Kurzem mündig, wie Sie sagen, also wer kann Ihnen verwehren, selbst Ihre Angelegenheiten zu ordnen?«
»Die Rücksicht auf meine gütigen Verwandten, sonst allerdings nichts,« entgegnete Sophie leise. »Aber ich hoffe ihr Widerstreben zu überwinden, da ich keinen Grund ihrer Abneigung weiß, und im schlimmsten Falle....«
»Im schlimmsten Falle läßt du die Liebe den Sieg davon tragen, nicht wahr, geliebtes, himmlisches Mädchen?« rief Herr von Gablenz, denn er war der junge Mann, mit stürmischer Zärtlichkeit, indem er den Arm um Sophie von Helldorf schlang und die nur leise Widerstrebende an seine Brust drückte.
»Aber heut schweigen Sie noch, ich bitte dringend darum,« sagte Sophie, sich ängstlich aus des jungen Mannes Armen losmachend. »Heut kann ich dem Onkel unmöglich sein Fest mit dieser Nachricht trüben; denn trüben würde ich es dadurch, ich kann mir kein Hehl daraus machen.«
»Heut und so lange du willst, Geliebte!« rief Gablenz, Sophie's Hand küssend. »Diese Hand ist mein, und niemand soll sie mir streitig machen, das gelobe ich. Aber theure Sophie, wenn ich meine Rechte noch nicht in Anspruch nehmen darf, so ist es auch besser, ich bin heut nicht dein Valentin, meine Leidenschaft würde mich verrathen. Nimm deshalb die Nelke zurück, ich werde sie nicht wählen. Aber welches der anderen jungen Mädchen auch meine Valentine sein wird, glaube mir, Geliebte, die Huldigungen alle, die ich derselben spende, sie gelten eigentlich allein dir, der Königin meines Herzens, der Valentine meines ganzen künftigen Lebens.«
Sophie's bleiches Gesicht war von Purpurgluth bedeckt, und das Glück strahlte aus ihren Augen. Aengstlich aber wandte sie jetzt ihre Blicke dem fernen Wohnhause zu und sagte: »Länger darf ich nicht hier bleiben, die Tante wird mich ohnehin schon vermissen. Folgen Sie mir nicht gleich, ich bitte Sie, Alfred.«