Die Grenze führt mitten durch die Stadt. Es ist nur eine einzige, aber die eine Hälfte heißt Rivera, die andere Santa Anna do Livramento, und beide scheidet eine unsichtbare Mauer. Der Wagen, der in müdem Trott durch die sonnenheiße Stadt einen verzerrten Schatten nachschleift, hält. Im Türrahmen eines weißen Hauses lümmelt ein Neger mit Beamtenmütze. Grenzkontrolle.
Auch Brasilien hat angefangen, seine Grenzen zu sperren. Man braucht alle möglichen Visa und Zeugnisse. Der deutsche Konsulatsbeamte in Buenos Aires wollte mir unbedingt einen neuen Paß ausstellen. Ich wollte nicht; denn das kostet 56 Peso.
„Dann gebe ich Ihnen kein Visum.“ Er war sehr förmlich.
„Danke, brauche ich nicht.“
„Aber dann gibt Ihnen das brasilianische Konsulat auch keines.“ Er war sichtlich empört.
„Doch, wetten?“
Er wandte sich ab. Ich konnte froh sein, ohne Rüge fortzukommen.
Ich ging zum brasilianischen Konsulat und schickte dem Generalkonsul meine Karte hinein. Es war ein reichlich verfetteter, reichlich schwarzer Brasilianer. Hier unter den Argentiniern fällt einem der Rassenunterschied zwischen den beiden Völkern stärker auf.
Wir plauderten. Die Unterhaltung war sehr angeregt, über Brasilien, die beste Reiseroute, meine nächsten Pläne. Dann zeigte ich meinen Paß.