Im Dach sind Löcher. Der Kolonist folgt unserm Blick. „Ja, das muß ich auch noch machen. Man kommt kaum zu allem.“ Im Urwald heißt es alles selbst machen, alles selbst können.
Die Frau bringt das Essen: schwarze Bohnen, Brot und etwas ausgelassenes Schweinefett. Wie wir abreiten, gehen die beiden zusammen in die Roce. Das Ein- und das Zweijährige bleiben allein zuhause. Die Schweine grunzen im Pferch.
Die Sonne steht hoch. Mann und Weib jäten nebeneinander im jungen Mais. Mann und Weib allein im Wald und nur aufeinander angewiesen. Es ist wie bei der Erschaffung der Erde.
54. Schirachs Erfolg.
Guarany.
Mein Freund in Guarany war der Tischlermeister. Er war fast seit Gründung der Kolonie dort und kannte alle Kolonisten in der Umgebung. Er hatte den nötigen Lokalstolz, um nicht zu ruhen, bis ich alles gesehen. Das war recht interessant, aber auch ein wenig strapaziös; denn diese Ritte und Besuche gingen nicht ohne erheblichen Alkoholkonsum ab. Lag eine Venda an der Linie, so gehörte es selbstverständlich zum Geschäft, daß man abstieg und einen Schnaps nahm, und gar wenn mein Besuch einer Brauerei oder Schnapsfabrik galt; ich war froh, wenn wir einmal eine Limonadefabrik besuchten.
Diese vielen gewerblichen Kleinbetriebe sind ein besonderes Merkmal der deutschen Kolonien in Südbrasilien und ein Zeichen für die Rührigkeit der Siedler. Es wird dort eine Menge handwerksmäßig betrieben, wie z. B. Brauerei oder Brennerei, was wir längst nur mehr als Industrie- und Großbetrieb kennen. Man staunt, wie einfach man alles erzeugen kann. Eine Sudpfanne und ein Gärbottich, und die Brauerei ist fertig. Oder ein einfachster Destillationsapparat für die Brennerei oder ein, zwei Maschinen für die Limonadefabrik. Die Produkte dieser Kleingewerbsbetriebe im Urwald stehen recht hoch im Preis, für die Flasche Bier ein bis zwei Milreis. Aber nicht nur die Kleingewerbetreibenden dieser Art werden reich durch das Geschäft, sie beziehen auch Maschinen und Rohstoffe aus den Hafenstädten zu phantastischen Preisen. Ein Limonadefabrikant nannte mir die Preise, die er für Fruchtessenzen bezahlen muß. Darnach verdient das deutsche Exporthaus in Porto Alegre, von dem er bezieht, daran einige hundert Prozent.
Diese gewaltigen Zwischen- und Unternehmergewinne trägt der Kolonist, ebenso den Riesenverdienst des Handels, der jeden Gebrauchsgegenstand übermäßig verteuert. Trotzdem kommt auch der Siedler zu Wohlstand, selbst Reichtum, wenn er sich nur einigermaßen daran hält; so fruchtbar ist das Land.